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Compliance

Was steckt eigentlich hinter dem Wort „Compliance"?

Immer häufiger begegnen uns in der Unternehmenssprache Wortgebilde die den Begriff „Compliance" wie selbstverständlich in sich tragen:

Compliancemanagementsystem, Complianceabteilung, Compliance-Officer,... . Aber was bedeutet dieses Modewort denn eigentlich? Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Schon alleine bei dem Versuch das Wort „Compliance" ins Deutsche zu übersetzen, hilft das Übersetzungsprogramm im Internet gleich mit einer Vielzahl von Optionen weiter: Zustimmung, Befolgung, Einwilligung, Fügsamkeit, Lernfähigkeit, Unterwürfigkeit, Prüfzeichen(!), etc.. Es gibt also nicht DAS Wort, welches man im Deutschen für den „Trend-" Begriff der vergangenen Jahre verwenden könnte.

Leichter geht eine Klärung des Begriffes schon, wenn wir uns auf die Suche nach einer Definition statt nach einer wörtlichen Übersetzung machen. Bei Wikipedia, wo Compliance übrigens mit den Worten Regeltreue und Regelkonformität übersetzt wird, finden wir folgende Umschreibung: „Der Begriff Compliance steht für die Einhaltung von gesetzlichen Bestimmungen, regulatorischer Standards und Erfüllung weiterer, wesentlicher und in der Regel vom Unternehmen selbst gesetzter ethischer Standards und Anforderungen." (Quelle: http://de.wikipedia– Eberhard Krügler).

Der Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK), welcher den Begriff Compliance ins deutsche Rechtssystem eingeführt hat, definiert Compliance als die in der Verantwortung des Vorstands liegende Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen und unternehmensinternen Richtlinien.

Auch diese Definition klingt noch kompliziert, vergleicht man sie mit dem Deutungsversuch angesehener Juristen: Compliance ist die Kunst der Unternehmensjuristen, „dem Vorstand den Knast zu ersparen" (ZRP 2006, 258, Dr. Christoph Hauschka).

Diese letzte Variante halte ich nicht nur für einprägsamer, weil lustiger, sondern unter anderem auch deshalb für so treffend, weil sie viel besser zum Ausdruck bringt, dass hinter dem Trendbegriff „Compliance" in der Unternehmenswirklichkeit zwischenzeitlich ein riesiges Paket an Maßnahmen steckt, dass sich nicht mehr nur auf „Die Kontrolle der Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen" reduzieren lässt.

Zur Vermeidung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten werden - neben Risikomanagement und internen Kontrollsystemen - Compliance Systeme in Unternehmen etabliert und Mitarbeiter werden mit Rundschreiben und Regeln überhäuft. Compliance-Officer schreiben seitenlange Compliance-Erklärungen (auch Verhaltens- oder Korruptionsrichtlinien genannt), die zum Teil von Geschäftspartner gegengezeichnet werden sollen, um die Geschäftsbeziehung nicht zu gefährden. Und so verschieden die Unternehmen, so verschieden ist auch der Umgang mit Compliance und die Ausgestaltung der Richtlinien.

Grundlage guter Compliance im Unternehmen ist es, organisatorische Vorkehrungen zu treffen, um systematisch die Einhaltung von Normen soweit wie möglich zu garantieren. Darin enthalten sind Vorsorgemaßnahmen, wie die Aufklärung von betroffenen Mitarbeitern, und Überwachungsmaßnahmen von relevanten unternehmensinternen Vorgängen. Ein Compliance-Bewusstsein im Unternehmen ist in Summe durchaus erstrebenswert für eine nachhaltige Unternehmensführung und faire Wettbewerbsbedingungen.

Durch einige spektakuläre Korruptionsaffären in den vergangen Jahren - und der daraus resultierenden Härte in der Rechtsprechung - aufgeschreckt, läuft „Compliance" allerdings Gefahr von Überregulierung und Überbürokratisierung erschlagen zu werden. Mitursächlich dafür könnte dann auch sein, dass der Begriff Compliance nicht so richtig zu fassen ist. Da passen halt auch so viele schöne Maßnahmen unter diesen zwischenzeitlich fast schon deutschen Begriff!