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Wirtschaftsstraftaten

Wirtschaftsstraftaten machen rund die Hälfte des Gesamtschadens der polizeilich registrierten Straftaten aus

Siemens, Mannesmann, VW oder die Versicherungsbranche: Wer erinnert sich dabei nicht an mindestens einen der großen Skandale in den vergangenen Jahren? Bei all den Schlagzeilen, die uns so im Gedächtnis haften bleiben, drängelt sich der Verdacht auf, dass Wirtschaftskriminalität sich auf die ganz großen Unternehmen unseres Landes beschränkt. Aber weit gefehlt!

Wirtschaftskriminalität gehört laut dem jährlichen Bericht des Bundeskriminalamtes zum Alltag in Deutschland. Das Bundeskriminalamt veröffentlicht jährlich (Oktober 2013 für das Jahr 2012) das Bundeslagebild Wirtschaftskriminalität. In gestraffter Form enthält es die aktuellen Erkenntnisse zu Lage und Entwicklung im Bereich der Wirtschaftskriminalität. Dabei wird ersichtlich, dass die Wirtschaftsstraftaten rund die Hälfte des Gesamtschadens der polizeilich registrierten Straftaten ausmachen.

Im Jahr 2012 wurden insgesamt 81.793 Fälle der Wirtschaftskriminalität registriert, knapp 3 % mehr als im Vorjahr (79.515 Fälle). Bei 65.684 der insgesamt 81.793 Fälle von Wirtschaftskriminalität wurde eine Schadenssumme erfasst. Dies entspricht einem Prozentsatz von rund 80 %. Die daraus resultierende Gesamtschadenssumme ist mit 3,751 Mrd. Euro zwar knapp 9 % geringer als im Vorjahr, zeigt aber dennoch die erheblichen Auswirkungen der Wirtschaftskriminalität.

Allein bei den sogenannten Arbeitsdelikten wurde eine Fallzahl von 10.701 (2011: 10.711) und Schaden von 49 (2011: 46) Millionen registriert.

Als Arbeitsdelikte werden nach übereinstimmender Definition der Kriminalstatistik (PKS) und des kriminalpolizeilichen Meldedienstes (KPMD) alle Deliktsformen bezeichnet, die im Zusammenhang mit der Verletzung arbeitsrechtlicher Vorschriften stehen. Neben dem Tatbestand des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt gemäß § 266a StGB sind dies laut dem Bundeslagebild Wirtschaftskriminalität die illegale Vermittlung, Anwerbung und Beschäftigung nichtdeutscher Arbeitnehmer im Sinne der einschlägigen Bestimmungen des Sozialgesetzbuches (SGB) III. Umfasst werden ferner das Verleihen und Entleihen von nichtdeutschen Arbeitnehmern ohne eine erforderliche Arbeitserlaubnis (§§ 15 und 15a Arbeitnehmerüberlassungsgesetz - AÜG). Nicht zuletzt sind diesem Deliktsbereich auch Verstöße gegen bestimmte Anzeigepflichten nach dem SGB, der Handwerksordnung und der Gewerbeordnung zugeordnet.

Bei den im Jahre 2012 registrierten Arbeitsdelikten handelt es sich nahezu ausschließlich um Fälle des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt (10.075 Fälle). Die Delikte der illegalen Beschäftigung, der illegalen Arbeitnehmerüberlassung sowie der illegalen Ausländerbeschäftigung werden vorrangig durch die in der Zollverwaltung angesiedelten Dienststellen der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) verfolgt und daher nur zu einem geringen Anteil in der PKS abgebildet. Insofern geben die in der PKS registrierten Arbeitsdelikte die tatsächliche Situation nur teilweise wieder.

Zu den Klassikern der Wirtschaftskriminalität gehören aber immer noch Schmiergeldzahlungen, Annahme von Einladungen und Geschenken, Kick-back-Zahlungen (Rückvergütungen und verdeckte Provisionszahlungen), schwarze Kassen und der falsche Umgang mit Steuererklärungen.

Und wer sich jetzt nach diesem kurzen Einblick schon auf das Bundeslagebild Wirtschaftskriminalität 2013 freut, dem sei schon mal der hier hinterlegte Link zur Verfügung gestellt.

Quelle

www.bka.de Lage Wirtschaftskriminalität 2012, Compliance kompakt, Stefan Behringer, 3. Auflage, Seite 69 ff.