Neue Seminarthemen 2019

Das ifb bietet Ihnen mit neuen Seminarthemen eine optimale Ergänzung und ein fundiertes Wissen für Ihre Betriebsratsarbeit.

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E-Learning

Mit den E-Learning-Alternativen des ifb können Sie Ihrem Anspruch auf Weiterbildung nachkommen, auch wenn der Besuch eines unserer Präsenzseminare Ihnen einmal nicht möglich ist.

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Aktuelle Tagesseminare

Tagesseminare werden hauptsächlich zu sehr aktuellen Themen angeboten. Hier können Sie sich als Betriebsrat oder Interessenvertreter schnell und einfach auf dem Laufenden halten und bekommen ein kompaktes Update für Ihre Betriebsratsarbeit.

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Last-Minute Seminare

Flexibel sein lohnt sich! Immer wieder bieten wir ausgewählte Seminare für Betriebsräte und Interessenvertreter zum Last-Minute Angebot an, vor allem einige Wochen vor Seminarbeginn.

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Kostenlose Starterpakete

Unser Ziel ist es, Betriebsräte stärker und wirksamer zu machen. Dafür haben wir kostenlose „Starterpakete“ für verschiedene Seminare entwickelt, die Sie bei Ihrer BR-Arbeit nicht nur inhaltlich sondern auch praktisch unterstützen.

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Mit dem ifb an die Uni

Für Ihre berufliche und persönliche Zukunft: Das Seminar-Highlight in Zusammenarbeit mit der Ludwig-Maximilians-Universität München.

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Unser Dank für Ihr Engagement!

Ebenso wie Betriebsräte setzen Sie sich als ehrenamtlicher Richter für eine gerechtere Arbeitswelt ein. Knapp 30 Jahre Schulungserfahrung nutzen wir jetzt auch, um Sie bei diesem Ehrenamt aktiv zu unterstützen.

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Fachartikel zum Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz

Für mehr Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz - Dr. Jukka Takala im Gespräch

Für mehr Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit setzt sich die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) ein. Wir sprachen mit Dr. Jukka Takala, dem Direktor der im spanischen Bilbao beheimateten Einrichtung der Europäischen Union.

 

Redaktion: 
Herr Dr. Takala, Sie sind der Direktor der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Was sind die Aufgaben dieser Einrichtung?

Dr. Jukka Takala: 
Der Auftrag unserer Agentur besteht darin, die Arbeitsplätze in Europa sicherer, gesünder und produktiver zu machen. Jedes Jahr gibt es in der Europäischen Union 5.720 arbeitsbedingte tödliche Unfälle, und Millionen Menschen verletzen sich am Arbeitsplatz oder erleiden ernsthafte gesundheitliche Schäden. Nach den Eurostat-Zahlen und den Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation stirbt in der EU ungefähr alle dreieinhalb Minuten ein Mensch an Ursachen, die mit seiner Arbeit zusammenhängen.
Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen für die Risiken, denen sie ausgesetzt sind, sowie für die Bewältigung dieser Risiken sensibilisiert werden. Dafür reicht es bereits manchmal aus, zuverlässige Informationen zu erhalten, um Probleme im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz wirksam anzugehen. Unser Ziel ist es, als Hauptanbieter solcher Informationen zu fungieren und sicherzustellen, dass diese Informationen für jeden Nutzer, unabhängig von der Größe des Unternehmens oder vom jeweiligen Wirtschaftszweig, relevant sind.

Redaktion: 
Womit genau beschäftigt sich Ihre Agentur?

Dr. Jukka Takala:
Unsere Agentur erfasst und analysiert neue wissenschaftliche Forschungsarbeiten und Statistiken über Risiken am Arbeitsplatz und erreicht mit ihren Veröffentlichungen und Empfehlungen ein breites Spektrum an Zielgruppen wie Regierungen, Sozialpartner, Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften. Durch unsere Europäische Beobachtungsstelle für Risiken erkennen wir frühzeitig Gefahren, die mit neuen Technologien, biologischen und chemischen Gefahren sowie mit den Auswirkungen demografischer Entwicklungen verbunden sind. Als Förderer einer Kultur der Risikoprävention werden wir beratend tätig. Im Bereich der Gemeinschaftsstrategie für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz 2007-2012 nehmen wir eine führende Rolle ein, wobei die wichtigste Herausforderung darin besteht, die Zahl der arbeitsbedingten Unfälle um ein Viertel sowie berufsbedingte Erkrankungen zu verringern.

Redaktion:
Wo liegen derzeit die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Dr. Jukka Takala: 
Ein neuer Bericht über aufkommende chemische Risiken wurde soeben veröffentlicht; dies war der letzte in einer Reihe von richtungsweisenden Berichten über neue und aufkommende Risiken. Sie alle geben einen Überblick über den Kenntnisstand auf diesen Gebieten, die einem raschen Wandel unterworfen sind, und beleuchten bestimmte Themen, die in den Blickpunkt von Forschung und Politikgestaltung gerückt werden müssen. 
In diesem Jahr startete die Beobachtungsstelle für Risiken eine europäische Unternehmenserhebung über neue und aufkommende Gefahren: Manager sowie Gesundheits- und Sicherheitsbeauftragte werden zum Risikomanagement am Arbeitsplatz befragt, wobei der besondere Schwerpunkt auf psychosoziale Risiken gelegt wird. 
Zur Unterstützung der aktuellen Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze” zum Thema Gefährdungsbeurteilung organisierte die Agentur im April in Prag einen Wettbewerb für gute praktische Lösungen, dessen Preisträger Organisationen sind, die herausragende Beiträge zur Förderung der Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz geleistet haben. 
Ein in Kürze erscheinender Bericht wird eine aktualisierte Übersicht über verschiedene finanzielle Anreize enthalten, die von EU-Ländern zur Förderung guter Leistungen im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz angeboten werden, während in einer Literaturübersicht über „Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen“ die Verknüpfung von wirtschaftlichen Erträgen mit guten Arbeitsbedingungen untersucht wird.
Im Mai haben wir zu einem gesamteuropäischen Fotowettbewerb eingeladen und im Herbst diesen Jahres sponsort die Agentur im Rahmen des Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm 2009 einen Wettbewerb für den besten Dokumentarfilm über arbeitsbezogene Themen.

Redaktion:
Was hat die Agentur Arbeitnehmern in Sachen Arbeits- und Gesundheitsschutz zu bieten?

Dr. Jukka Takala:
All unsere Veröffentlichungen und Produkte sind über unsere Website erhältlich und können dort kostenlos heruntergeladen werden. Da die Arbeitnehmer zu unseren Hauptzielgruppen gehören, sind bestimmte Produkte auf deren Bedürfnisse zugeschnitten. Dies gilt zum Beispiel für die „Factsheets“ – in allen EU-Sprachen veröffentlichte Kurzdarstellungen mit knappen und einfachen Informationen über die verschiedenen Arten von Risiken und einer Anleitung, wie die Arbeitnehmer sich selbst vor diesen Risiken schützen können. 
„NAPO“ ist übrigens unser wichtigster Kommunikator mit den Arbeitnehmern. Diese Zeichentrickfigur nimmt es mit den Arbeitsplatzrisiken auf und zeigt – in einer allgemein verständlichen Sprache – wie mit Muskel- und Skeletterkrankungen sowie mit Lärm umzugehen ist, gibt Ratschläge und erläutert die Sicherheitszeichen. Die einzelnen Geschichten können dazu verwendet werden, Debatten über Themen im Bereich Gesundheitsschutz und Sicherheit in den Betrieben anzuregen. Sie finden sich unter www.napofilm.net.

Redaktion:
Mit der Agentur möchten Sie das Bewusstsein für die Gefährdungen am Arbeitsplatz schärfen. Was tun Sie, um die Menschen in den Betrieben zu erreichen?

Dr. Jukka Takala:
Ich bin davon überzeugt, dass Sensibilisierungskampagnen ausgezeichnete Instrumente sind, um Unternehmen zur Bewältigung von arbeitsplatzbezogenen Risiken zu animieren und anzuspornen. Auch wenn Rechtsvorschriften von großer Bedeutung sind, so funktionieren sie nicht von allein; außerdem werden wir nie über einen Arbeitsinspektor pro Arbeitsplatz verfügen. 
Unsere Haupttätigkeit ist die Kampagne für gesunde Arbeitsplätze, die alle zwei Jahre ein anderes Thema ins Blickfeld rückt. Die aktuelle Kampagne 2008/2009 hat zum Ziel, die Zahl der arbeitsbedingten Unfälle und Erkrankungen mithilfe einer besseren Gefährdungsbeurteilung zu verringern. Sie richtet sich insbesondere an kleine und mittlere Unternehmen, so genannte KMU, sowie Hochrisikobranchen wie die Bauwirtschaft, die Landwirtschaft und das Verkehrswesen. Zahlreiche Veranstaltungen werden auf europäischer Ebene organisiert, wobei eine aktive Beteiligung gefördert wird.
Bislang haben sich 39 gesamteuropäische Organisationen als offizielle Partner dieser Kampagne angemeldet. Europäische und multinationale Organisationen, EU-Arbeitgeberverbände, EU-Gewerkschaften und NGO, so genannte Nichtregierungsorganisationen, haben sich zur Förderung der Gefährdungsbeurteilung verpflichtet. Dies bedeutet, dass unsere Botschaften Tausende von Arbeitsplätzen in der EU erreichen. Auf nationaler Ebene zählen wir auch auf unsere „Focalpoints“, das sind nationale staatliche Einrichtungen im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit, und auf deren Netzwerke zur Informationsverbreitung.

Redaktion: 
Was können vor allem kleine und mittlere Unternehmen für die Sicherheit ihrer Beschäftigten tun?

Dr. Jukka Takala: 
Der Gemeinschaftsstrategie für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz zufolge ist es notwendig, den besonderen Gegebenheiten und Bedürfnissen der KMU besser Rechnung zu tragen, insbesondere was die Gefährdungsbeurteilung sowie die Beteiligung und Fortbildung der Beschäftigten anbelangt. Die nationalen Strategien sollten daher der Durchführung eines Unterstützungspakets Vorrang einräumen, das in einem hohen Maße die Erfüllung dieser Rechtsvorschriften erleichtert. 
Es ist nicht einfach, die Arbeitsplätze und vor allem diejenigen in kleinen und mittleren Unternehmen zu erreichen, die weniger Ressourcen, weniger Zeit und Geld haben und einem stärkeren Druck ausgesetzt sind, um sich am Markt zu behaupten und wettbewerbsfähig zu bleiben. Häufig benötigen wir Unterstützung von einflussreichen Vermittlern, um die KMU besser zu erreichen und zu verpflichten. Aus diesem Grund arbeitet die Agentur derzeit intensiv mit den Partnern des europäischen sektoriellen Sozialdialogs in deren jeweiligen Ausschüssen zusammen. Diese Gremien sind äußerst wichtig, da sie für eine nützliche Verbindung zwischen den europaweiten Arbeitgeber-Arbeitnehmer- Tätigkeiten und den Fertigungsbereichen der Unternehmen in den Mitgliedstaaten Sorge tragen. 
Gleichzeitig kann uns das Netzwerk Enterprise Europe, kurz EEN, bei der Verbreitung von Informationen im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit unterstützen, da es sich in der einmaligen Position befindet, die KMU überzeugen zu können, dass Prävention auch Bestandteil ihres allgemeinen Managements sein sollte und dass hohe Sicherheit und guter Gesundheitsschutz ein gutes Geschäft sind.

Redaktion:
Wie kann ich als Betriebsrat von dem Wissen der Agentur profitieren?

Dr. Jukka Takala:
Neben den NAPO-Filmen, den „Factsheets“ und den bereits erwähnten Informationen über gute praktische Lösungen kann sich der Betriebsrat die Gefährdungsbeurteilungs- und Managementsysteme der Unternehmen ansehen sowie erkunden, welche vorrangigen Themen existieren und wie sich das betriebsinterne System der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit fortlaufend verbessern lässt. Insoweit bietet unsere Homepage ein äußerst breites Spektrum an Informationen.

Redaktion:
Kann ich mich direkt an die Agentur wenden, wenn ich einen konkreten Informations- und Beratungsbedarf habe?

Dr. Jukka Takala:
Unsere Website ist die Hauptbezugsquelle für Informationen. Gleichwohl können Sie sich für nähere Auskünfte direkt an die Agentur wenden. Dies können Sie übrigens in jeder Amtssprache der EU tun. Allerdings können wir keine spezifischen Informationen über Rechtsvorschriften, Normen sowie Statistiken eines bestimmten Mitgliedstaats liefern. Derartige Auskünfte können Sie beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales – Referat IIIb2 – Grundsatzfragen des Arbeitsschutzes erhalten, soweit es die Bundesrepublik Deutschland betrifft.

Redaktion: 
Eine abschließende Frage: In der gegenwärtigen Wirtschaftskrise haben viele Unternehmen existenzielle Probleme. Besteht da nicht die Gefahr, dass der Gesundheitsschutz in den Betrieben zu kurz kommt?

<ü>Dr. Jukka Takala: 
Der globale Wirtschaftsabschwung kann Organisationen dazu bringen, die Bedeutung von Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit zu ignorieren oder zu verringern. Wegen des Anstiegs der Arbeitslosigkeit sind die Menschen möglicherweise mehr an ihrer unmittelbaren Arbeitsplatzsicherheit als an gesunden und sicheren Arbeitsbedingungen interessiert.
Dabei übersehen die Arbeitgeber, die erwägen, die Zahl der Arbeitskräfte zu verringern, möglicherweise die langfristigen Auswirkungen für die im Unternehmen verbleibenden Beschäftigten. Auch wenn es nur zu einer geringen Kürzung der Belegschaft kommt, so erhöhen die gestiegene Arbeitslast und die Angst vor dem Verlust der Arbeit erheblich die Stress-Faktoren, denen die Beschäftigten ausgesetzt sind.
Es besteht die Gefahr, dass Unternehmen die Kürzung ihrer Investitionen im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit in Erwägung ziehen. Als Agentur stehen wir vor der Herausforderung, sie zu überzeugen, dass es kein Argument für die Erzielung kurzfristiger Gewinne auf Kosten langfristiger Probleme gibt. Unsere gesamte Arbeit zeigt, dass je gesünder die Arbeitsplätze sind, desto ausgeprägter auch die Tendenz zu größerer Produktivität ist. In turbulenten Zeiten können wir nicht zulassen, dass diese Botschaft verwässert wird.
Daher sagen wir den Unternehmen in Zeiten des wirtschaftlichen Abschwungs, dass sie weiterhin viel in Sicherheit und Gesundheitsschutz investieren sowie versuchen sollen, in diesen schwierigen Zeiten an ihrem Kernpersonal festzuhalten.

 

Zur Person

Der in Finnland aufgewachsene Maschinenbau- Ingenieur Dr. Jukka Takala, der über 30 Jahre Berufserfahrung in dem Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit verfügt, ist seit 2006 Direktor der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) in Bilbao (Spanien). Zuvor war er bei der Internationalen Arbeitsorganisation in Genf (Schweiz) Direktor des Internationalen Programms für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz und für Umwelt (SafeWork).