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Fachartikel zum Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz

Betriebsratsarbeit in der Fachklinik Holthausen

Im 14. Jahr seines Bestehens blickt der Betriebsrat der Fachklinik Holthausen mit Stolz zurück. Vieles hat sich in den vergangenen Jahren getan. Nach anfänglichem Zögern weiß heute jeder Beschäftigte: Gut, dass es bei uns einen Betriebsrat gibt.

Im Jahre 1993 wurde am Rande von Hattingen eine neue Klinik eröffnet, die Fachklinik Holthausen für Neurochirugische Rehabilitation. Seit 2001 gehört das Haus zum Konzern Fresenius. Die Klinik, die mit den Universitäten Bochum und Witten/Herdecke zusammenarbeitet, hat 270 Betten. Rückblickend auf die letzten Jahre resümiert Markus Christoph, Mitglied des Betriebsrats: „Es gab Zeiten, in denen die Arbeit hier im Hause leichter war als heute.“ Und Michael Prinz ergänzt: „In der Therapie sind wir mittlerweile am Limit angelangt. Viele Mitarbeiter kommen sich vor wie Fließbandarbeiter“. Nur gut, dass es in der Klinik einen Betriebsrat gibt.

Betriebsratsarbeit mit Tradition

Die Betriebsratsarbeit in der Klinik Holthausen ist sehr vielschichtig, und sie hat Tradition. Bereits im Eröffnungsjahr hatte sich die Belegschaft zu einer Abteilungsversammlung getroffen, in deren Verlauf die Gründung eines Betriebsrats beschlossen wurde. Jutta Witthüser, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, erinnert sich: „Der Wunsch nach einem Betriebsrat kam von den Mitarbeitern.

Allerdings hat es zu Beginn vor allem im Bereich der Pflege Akzeptanzprobleme gegeben. Die Kolleginnen und Kollegen in der Pflege regelten viele Dinge alleine, da Nachteile befürchtet wurden, wenn ein Betriebsrat mit einbezogen worden wäre. Im sozialen Bereich sind die Mitarbeiter sehr engagiert und stellen nicht selten eigene Bedürfnisse zurück. „Ihnen musste die Bedeutung des Betriebsrats erst vermittelt werden. Wir hatten es deshalb nicht immer leicht. Mittlerweile sind wir aber soweit, dass wir in allen Teilen der Belegschaft anerkannt sind“, erzählt Jutta Witthüser.

Die Zusammenarbeit des Betriebsrats mit der Belegschaft stellt sich in der Klinik Holthausen – trotz der unterschiedlichsten Berufsfelder – als konstruktiv dar, wie die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende anhand eines Beispiels erläutert: „Titel sind bei uns nicht wichtig. Es ist ein angenehmes Zusammenarbeiten. Seit der letzten Betriebsratswahl haben wir auch einen Arzt in unserem Gremium. Seitdem sprechen uns auch Ärzte gezielt an, was vorher nie der Fall gewesen ist.“

Geänderte Rahmenbedingungen

In dem Maße, wie die Akzeptanz in der Belegschaft gewachsen ist, wurden auch die Probleme vermehrt an uns herangetragen. Markus Christoph, der neben dem Betriebsrat auch dem Wirtschaftsausschuss angehört, führt aus: „In der Zeit, als es der Klinik in wirtschaftlicher Hinsicht richtig gut ging, war der Arbeitgeber recht großzügig, etwa bei der Bezahlung von Fortbildungsmaßnahmen oder der Gewährung von Sonderurlaub. Heute sehe es, wie allgemein im Gesundheitswesen, anders aus: „Manche Dinge gehen nicht mehr, Personal wird eingespart, Fortbildungskostenübernahmen werden gekürzt.“ Dies wirke sich leider auf die Arbeit mit den Patienten aus. Auch hier hat Markus Christoph Veränderungen ausgemacht. „Gewisse Dinge, die früher als wichtig galten, werden heute nicht mehr durchgeführt. Da heißt es schlicht, das können wir uns nicht mehr leisten“, berichtet der Masseur und ergänzt: „Das Klima im Umgang mit dem Arbeitgeber ist rauer geworden.“ Verantwortlich dafür seien die Reformen im Gesundheitswesen. Seiner Meinung nach würde es die bestehenden Probleme auch bei einem anderen Eigentümer der Klinik geben.

Jutta Witthüser ergänzt: „Die Kollegen auf den Stationen arbeiten härter, sie müssen mit mehr Stresssituationen fertig werden. Auch das Patientenklientel hat sich ganz entschieden verändert.“ Die Zahl der pflegeintensiven Patienten sei viel größer als noch vor wenigen Jahren, was zu einem wesentlich höheren Pflegeaufwand führe. „Die Arbeitsverdichtung hat zugenommen und damit die Belastung der Pflegekräfte. Die Kolleginnen und Kollegen können sich kaum noch erholen, weil sie so im Stress sind. Dadurch werden viele krank. Und was die Situation noch verschlimmert: Plötzliche Ausfälle können nicht immer sofort durch Aushilfen ersetzt werden.“ Michael Prinz aus der Therapie ergänzt: „Es muss im Prinzip dieselbe Arbeit wie vorher geleistet werden, aber mit immer weniger Leuten.“

Sorgen und Ängste

Dem Betriebsrat ist der Handlungsbedarf in Sachen Arbeitsverdichtung bewusst, doch sein Mitglied Michel Prinz bedauert: „Die Mitarbeiter müssten sich bei uns melden und uns sagen, dass sie überlastet sind. Aber nur in den seltensten Fällen ist jemand wegen Überlastung zu uns gekommen.“ Viele würden zwar ihr Leid klagen, aber nicht aktiv werden wollen und etwa eine Beschwerde erheben.“

Pfleger Ralf Stiller besitzt Verständnis für das Schweigen seiner Kollegen. Er sagt: „Wer gibt denn schon gerne zu, dass er die Arbeit nicht schafft.“ Stanislaus Warwas, Altenpfleger, der dem Betriebsrat seit dem Jahr 2006 angehört, hat eine Erklärung für die Zurückhaltung: „Die Kollegen sehen die Probleme, aber sie wollen nicht auffallen.“

Das Betriebsratsmitglied Ulrich Hoffmann bringt es auf den Punkt: „Viele Kollegen haben zum Teil extreme Probleme mit ihrer Gesundheit und der psychischen Belastung. Sie sagen es aber aufgrund der Angst um ihren Arbeitsplatz nicht. Das kann eine tickende Zeitbombe sein.“ Wie belastend die Arbeit in einer Klinik sein kann, beschreibt Stanislaus Warwas, der früher bei einer Stahlhütte und der Bahn beschäftigt war: „Ich habe bereits vier verschiedene Berufe ausgeübt. Der körperlich Schwerste davon ist die Altenpflege.“ In der für die Klinik und ihre Beschäftigten schweren Zeit wird der Betriebsrat und seine Arbeit von der Belegschaft stärker geschätzt, als es in wirtschaftlich guten Zeiten der Fall gewesen ist. Jutta Witthüser macht dies an mehreren Punkten fest: „Es tut sich was. Nie war die Wahlbeteiligung so hoch wie bei der letzten Betriebsratswahl. Die Leute sind uns und unserer Arbeit gegenüber offener geworden. Es findet kaum noch ein Gespräch mit der Geschäftsleitung ohne Beteiligung des Betriebsrats statt.“ Für einige war das Engagement des Betriebsrats in einer persönlichen Angelegenheit sogar Anlass, für das Betriebsratsamt zu kandidieren. So war es auch bei Stanislaus Warwas: „Nachdem mir der Betriebsrat bei einem Disput mit der Pflegedienstleitung geholfen hatte, habe ich erst erkannt, wie wichtig es ist, dass es einen Betriebsrat gibt.“

Sorge um den Pflegestandard

Angesprochen auf die letzte Gesundheitsreform macht sich Sorge um den Pflegestandard breit. Man müsse aufpassen, dass Anspruch und Wirklichkeit nicht zu weit auseinanderklaffen. „Das ist beinahe schon ein Teufelskreis. Es besteht die Gefahr, dass die Pflege, die über satt und sauber hinausgeht und die für die Patienten angebracht ist, verloren geht“, befürchtet Ulrich Hoffmann. Die idealistische Zielsetzung, mit der viele Kolleginnen und Kollegen ihren Beruf im Gesundheitsbereich angetreten haben, sei bei einigen bereits verloren gegangen.

Wissenswertes zur Fachklinik Holthausen

Historie 
Am 01.01.1993 wurde die Klinik eröffnet. Sie ist Bestandteil der Unternehmensgruppe der Wittgensteiner Kliniken, die neben der HELIOS Kliniken Gruppe zu einem Geschäftsfeld des Unternehmensbereichs Fresenius ProServe im Konzern Fresenius gehört.

 

Unternehmensgegenstand 
Fachklinik für Neurochirurgische Rehabilitation

 

Bettenzahl: 270 
Mitarbeiter ca.: 520 
Betriebsratsmitglieder: 11 
Freistellungen: 2