Neue Seminarthemen 2019

Das ifb bietet Ihnen mit neuen Seminarthemen eine optimale Ergänzung und ein fundiertes Wissen für Ihre Betriebsratsarbeit.

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E-Learning

Mit den E-Learning-Alternativen des ifb können Sie Ihrem Anspruch auf Weiterbildung nachkommen, auch wenn der Besuch eines unserer Präsenzseminare Ihnen einmal nicht möglich ist.

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Aktuelle Tagesseminare

Tagesseminare werden hauptsächlich zu sehr aktuellen Themen angeboten. Hier können Sie sich als Betriebsrat oder Interessenvertreter schnell und einfach auf dem Laufenden halten und bekommen ein kompaktes Update für Ihre Betriebsratsarbeit.

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Last-Minute Seminare

Flexibel sein lohnt sich! Immer wieder bieten wir ausgewählte Seminare für Betriebsräte und Interessenvertreter zum Last-Minute Angebot an, vor allem einige Wochen vor Seminarbeginn.

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Kostenlose Starterpakete

Unser Ziel ist es, Betriebsräte stärker und wirksamer zu machen. Dafür haben wir kostenlose „Starterpakete“ für verschiedene Seminare entwickelt, die Sie bei Ihrer BR-Arbeit nicht nur inhaltlich sondern auch praktisch unterstützen.

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Mit dem ifb an die Uni

Für Ihre berufliche und persönliche Zukunft: Das Seminar-Highlight in Zusammenarbeit mit der Ludwig-Maximilians-Universität München.

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Unser Dank für Ihr Engagement!

Ebenso wie Betriebsräte setzen Sie sich als ehrenamtlicher Richter für eine gerechtere Arbeitswelt ein. Knapp 30 Jahre Schulungserfahrung nutzen wir jetzt auch, um Sie bei diesem Ehrenamt aktiv zu unterstützen.

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Fachartikel zum Thema Psychische Belastungen

Dr. Dirk Windemuth zur Problematik der psychischen Erkrankungen

Psychische Erkrankungen nehmen zu. Es gibt kaum einen größeren Betrieb, der nicht davon betroffen ist. Mit Dr. Dirk Windemuth, dem Leiter der Abteilung „Forschung und Beratung“ des BGAG – Institut Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, sprachen wir vor allem darüber, wie man dem Problem in den Betrieben begegnen kann. Denn psychische Erkrankungen werden vielerorts tabuisiert.

 

Redaktion:
Herr Dr. Windemuth, die Medien berichten immer wieder, dass die psychischen Erkrankungen sprunghaft ansteigen. Stimmt das?

Dr. Windemuth:
Diese Aussage ist vereinfacht. Richtig ist: Der Anteil gemeldeter psychischer Erkrankungen ist im Verhältnis zu anderen Erkrankungen gestiegen. Das bedeutet: Während andere Erkrankungen seltener auftreten, ist die Häufigkeit psychischer Erkrankungen leicht gestiegen. Nur in der Relation ist der Anstieg sprunghaft. Ferner ist nicht klar, ob der Anstieg wirklich auf ein vermehrtes Krankheitsgeschehen zurückzuführen ist oder darauf, dass Menschen eher bereit sind, über psychische Probleme und Erkrankungen zu sprechen. Wahrscheinlich ist beides der Fall.

Redaktion:
Was sind die Gründe für diese Entwicklung?

Dr. Windemuth: 
In den vergangenen zehn Jahren hat sich vieles verändert, das gilt für Beruf und Freizeit. Wo früher Erholungsphasen waren, ist heute oftmals Aktivität zu finden. Beispielsweise nutzen Menschen viele Informationsmedien und -mittel. Zu Hause angekommen, werden private EMails gecheckt, werden der Anrufbeantworter und die Mobilbox abgehört, Telefonate beantwortet; im Internet werden aktuelle Neuigkeiten abgefragt und eventuell wartet auch noch ein privates Fax. Die private Autofahrt in den Urlaub ist anstrengender, weil das Verkehrsaufkommen größer ist und die gefahrene Geschwindigkeit sehr hoch, wodurch in kürzester Zeit extrem viele Informationen aufgenommen und verarbeitet werden müssen. Kurzum: Das Leben ist schneller geworden. Und das gilt auch für das Berufsleben. Dieses ist psychisch anstrengender geworden, unter anderem deshalb, weil wir immer schneller immer mehr Informationen aufnehmen und verarbeiten müssen. Hinzu kommen Arbeitsbedingungen, die sich sehr schlecht auf die Gesundheit auswirken, auf die die Betriebe teilweise aber nicht einwirken können. Dies gilt beispielsweise für Auswirkungen der Globalisierung und der wirtschaftlichen Situation, die im Betrieb zum Beispiel zu unsicheren Arbeitsverhältnissen sowie zu starker Konkurrenz auf dem Absatzmarkt führen.

Redaktion:
Welche Folgen sind damit für die Beschäftigten verbunden?

Dr. Windemuth:
Erst einmal müssen Beschäftigte den resultierenden Bedingungen standhalten. Dies ist um so schwieriger, je weniger die Menschen in der Freizeit Erholungszeiten einbauen und je mehr sie sich auch in der Freizeit Stressoren aussetzen. Gelingt es nicht, mit den privaten und beruflichen Belastungen angemessen umzugehen, können psychische oder körperliche Probleme entstehen. Dafür müssen aber weitere Voraussetzungen gegeben sein. Psychische und körperliche Erkrankungen haben nie nur eine Ursache. Beispielsweise müssen körperliche und psychische Voraussetzungen gegeben sein, damit die Stressoren zu Krankheiten führen können. Einen einfachen Zusammenhang „Stress macht krank“ gibt es nicht! Er ist bei Menschen, die die entsprechenden Voraussetzungen mitbringen, aber möglich.

Redaktion:
Wenn die Folgen so gravierend sein können, dann stellt sich unweigerlich die Frage, was man im Unternehmen dagegen tun kann.

Dr. Windemuth: 
Im Unternehmen müssen psychische Fehlbelastungen erkannt werden. Das beste Mittel dafür ist die Gefährdungsbeurteilung. In die klassische Gefährdungsbeurteilung sollten die psychischen Belastungen integriert werden, wie das in einigen Betrieben inzwischen auch Routine ist. Wenn dabei deutliche Fehlbelastungen ermittelt werden, muss dringend versucht werden, diese zu beseitigen. Dies kann am einfachsten dadurch geschehen, dass die Beschäftigten in die Lösungsfindung einbezogen werden. Entsprechende Modelle dafür existieren und haben sich in der Praxis bewährt. Unabhängig davon sollte in jedem Betrieb eine Atmosphäre herrschen, in der es allen Beschäftigten möglich ist, sich an Vorgesetzte sowie den Betriebsrat zu wenden, wenn jemand meint, psychischen Fehlbelastungen ausgesetzt zu sein.

Redaktion:
Welchen Stellenwert räumen Sie dabei der Prävention ein?

Dr. Windemuth: 
Den Stellenwert der Prävention kann man nicht hoch genug einschätzen. Ich möchte hier zwei Punkte hervorheben: Zum einen ist dies eine gute Führungskultur in Betrieben. Führungskräfte müssen nicht nur gut geschult werden. Schon bei der Auswahl von Führungskräften darf nicht nur die Fachkompetenz beachtet werden; sondern auch die soziale Führungskompetenz muss gegeben sein. Jemanden, der mit Menschen nicht umgehen kann, bekommen Sie auch durch viele Schulungen nicht dazu, eine gute Führungskraft zu werden. Zum anderen muss das Betriebsklima stimmen. Bei einem guten Betriebsklima gibt es zwar auch psychische Fehlbelastungen; aber diese können dann entweder schneller beseitigt oder aber durch soziale Unterstützung aufgefangen werden.

Redaktion: 
Welche Rolle hat bei alledem der Betriebsrat?

Dr. Windemuth: 
Der Betriebsrat hat eine ganz entscheidende Rolle. Er sollte wichtiger Ansprech- und Kooperationspartner in der Prävention sein. Er muss Ansprechpartner für alle Personen sein, die sich psychisch zu stark belastet fühlen. Er sollte bei betrieblichen Veränderungsprozessen beteiligt sein und letztlich im Betrieb anregen, dass Führungskompetenz schon bei der Personalauswahl beachtet wird. Wenn er dafür fit ist, kann er dem Unternehmen und der Belegschaft nicht nur viel Ärger, sondern auch viel Geld sparen.

Redaktion:
Wie kann sich der Betriebsrat für das Thema fit machen?

Dr. Windemuth:
Wichtig ist, dass sich die Betriebsratsmitglieder regelmäßig fortbilden. Neben fachlichen und rechtlichen Fortbildungen sind solche zur Gesprächsführung und sozialen Kompetenz zentral. Gesprächsführung kann man nur durch Übung lernen. Ein einmaliges Lernen reicht aber nicht aus. Alle paar Jahre sollte das Gelernte aufgefrischt und vertieft werden. Hierzu ein Beispiel: In unseren Seminaren zum Thema Mobbing üben wir immer die Situation, dass ein Betroffener aufgewühlt zum Betriebsrat kommt und dort erst einmal seine Emotionen ablädt. Der Betriebsrat muss in einer solch schwierigen Situation gut reagieren, indem er zwar versachlicht, dem Kollegen zugleich aber nicht vor den Kopf stößt.

Redaktion: 
Können Betriebsräte bei Ihrem Institut Unterstützung erfahren?

Dr. Windemuth:
Ja. Zum einen bieten wir eine ganze Reihe von Seminaren zu vielen Themen an; zum anderen beraten wir Betriebe und Betriebsräte, wenn der Beratungswunsch an die zuständige Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse geleitet wird und von dort an uns geht. Beratungsthemen in unserem Kontext reichen von der gesundheitsgerechten sowie sozialverträglichen Gestaltung von Nacht- und Schichtarbeit über Moderationen bis hin zur Prävention etwa von Mobbing und Diskriminierung. Weiter begleiten wir zum Beispiel betriebliche Veränderungsprozesse.

Redaktion: 
Wie sollte ich reagieren, wenn ich glaube, dass ein Arbeitskollege psychische Probleme hat?

Dr. Windemuth:
Da gibt es nur eins: Sie können dem Kollegen nur – sehr dezent – anbieten, dass er sich an Sie wenden kann, wenn er Probleme hat. Dieses Handreichen darf aber niemals überheblich sein und nicht aufdringlich. Es ist ein Hilfsangebot – mehr nicht.

Redaktion: 
Eine letzte Frage. Was können Arbeitnehmer tun, um psychischen Erkrankungen vorzubeugen?

Dr. Windemuth:
Wie bereits gesagt: Arbeitnehmer müssen auf sich aufpassen. Das heißt, sie müssen ihr Privatleben so nutzen, dass sie sich auch erholen können. Am Arbeitsplatz müssen sie, wenn sie merken, dass etwas schief läuft, möglichst früh zusammen mit den Vorgesetzten und gegebenenfalls dem Betriebsrat konstruktiv beraten, wie Dinge besser laufen könnten. Zugleich müssen sie natürlich auch beachten, dass sie nicht zur Belastung ihrer Kollegen, Vorgesetzten oder unterstellten Mitarbeiter werden – denn der Faktor Mensch ist eine häufige psychische Fehlbelastung im Betrieb.

Zur Person

Dr. Dirk Windemuth

ist Psychologe, Germanist und Gesundheitswissenschaftler. Zunächst an Universitäten und Kliniken tätig, arbeitet er seit 1999 im BGAG – Institut Arbeit und Gesundheit in Dresden. Seit 2006 leitet er dort die Abteilung „Forschung und Beratung“.