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Fachartikel zum Thema Psychische Belastungen

Stress vermeiden im Außendienst

Regelmäßig beschäftigt sich der „Dresdner Treffpunkt“ in den Räumen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, kurz BAuA, mit aktuellen Themen zu Sicherheit und Gesundheitsschutz. Zuletzt stand die Arbeit im Außendienst im Fokus. Barbara Weißgerber stellte Ursachen und Empfehlungen zur Stressvermeidung dieser besonderen Berufsgruppe vor.
Arbeiten im Außendienst? Viele Innendienstmitarbeiter verbinden damit lediglich positive Aspekte wie Unabhängigkeit, Selbstbestimmtheit und Vielseitigkeit. Doch es gibt im Leben eines Außendienstlers auch erhebliche Schattenseiten – dies wurde beim Dresdner Treffpunkt zum Thema „Arbeiten im Außendienst. Stress vermeiden und bewältigen“ schnell deutlich.

Licht und Schatten der Belastung

„Außendienstmitarbeiter stehen an der vordersten Front eines Unternehmens, sie bestimmen das Bild beim Kunden“, erläuterte Barbara Weißgerber die besondere Situation dieser Berufsgruppe. Die Diplom-Psychologin hatte sich im Rahmen des BAuA-Forschungsprojekts „Psychosoziale Arbeitsbedingungen im Außendienst“ intensiv mit positiven Aspekten und Belastungsschwerpunkten von Außendienstlern beschäftigt. Ob technischer Kundendienst oder Verkauf – wegen ihrer fehlenden Präsenz würden Außendienstmitarbeiter im Unternehmen kaum wahrgenommen, hätten keine große Lobby. Dieser Status des „Einzelkämpfers“, gepaart mit ständigem Termin- und Leistungsdruck führe zu erheblichen Stressfaktoren. Lächeln und verbindlich bleiben, das könne schnell zur Belastungsprobe werden. „In persönlicher Hinsicht kommen Probleme durch die Auflösung der Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit hinzu“, betonte Barbara Weißgerber. Unverständnis bei Partnern und Freunden sei die Folge, soziale Netze ließen sich nur schwer aufbauen oder halten.

Trotz dieser Schattenseiten seien viele Außendienstler beruflich zufrieden und wollten dauerhaft an ihrer Tätigkeit festhalten. Die Reisetätigkeit ermögliche es, über den „Tellerrand“ zu blicken und interessante Menschen kennen zu lernen. Ihre vielseitige und abwechselungsreiche Arbeit werde materiell und moralisch anerkannt und lasse viel Raum für eigene Entscheidungen.

Stress ist keine Privatangelegenheit

„Im Spagat zwischen Stress und Zufriedenheit gilt es, die negativen Aspekte der Arbeit abzudämpfen“, erläuterte Barbara Weißgerber und verwies auf die Verantwortung von Unternehmen und Kollegen. „Stress ist keine Privatangelegenheit“. Alle seien gefordert, die Stressfaktoren für Außendienstler abzumildern. In technischer Hinsicht zähle hierzu vor allem eine gute Ausstattung des Mitarbeiters. Insbesondere das Auto sei an die Bedürfnisse des Außendienstlers anzupassen, schließlich verbringe dieser erhebliche Zeiten mit Reisen.

Unerlässlich sei auch seine Einbeziehung in die betriebliche Planung. Eine gute Kommunikation und ein reger Austausch, dafür sollte sich jeder Betriebsrat engagieren. Wichtig sei es, keine Absprachen über den Kopf hinweg zu treffen und bei der Aufgabenverteilung das Feed-back des Mitarbeiters zu berücksichtigen. Für organisatorische Aufgaben sei eine Entlastung durch den Innendienst sehr hilfreich.

Verhalten ändern

Auch der Außendienstler könne viel gegen Stress tun. Allem voran sei es wichtig, das eigene Verhalten zu überprüfen und sich klare Grenzen zu setzen. Eine gute persönliche Arbeitsorganisation mit der Berücksichtigung von Zeitpuffern führe ebenfalls zu Entlastungen. „Es gilt“, so Barbara Weißgerber, „Herr der Situation zu sein statt nur zu reagieren“. Dies vermindere das Gefühl, gehetzt zu werden.

Entlastung biete eine gesundheitsbewusste Lebensweise sowie ein Ausgleich in der Freizeit, egal ob durch Sport oder Gartenarbeit. Auch eine regelmäßige Weiterbildung sei wichtig. „Dies ist nicht nur das Sahnehäubchen, sondern eine grundlegende Sache“, betonte Barbara Weißberber. Wer sich regelmäßig weiterbilde sei souveräner und damit entspannter.

Nicht zuletzt führe positives Denken zu einer positiven Lebenseinstellung – nicht von einem Tag auf den anderen, aber Schritt für Schritt, sagte Barbara Weißgerber. Ihr Tipp zum Schluss: „Immer am Ball bleiben, nur so kann sich auf Dauer etwas ändern“.

Quelle

Barbara Weißgerber:

„Stress ist keine Privatangelegenheit.“