Neue Seminarthemen 2019

Das ifb bietet Ihnen mit neuen Seminarthemen eine optimale Ergänzung und ein fundiertes Wissen für Ihre Betriebsratsarbeit.

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E-Learning

Mit den E-Learning-Alternativen des ifb können Sie Ihrem Anspruch auf Weiterbildung nachkommen, auch wenn der Besuch eines unserer Präsenzseminare Ihnen einmal nicht möglich ist.

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Aktuelle Tagesseminare

Tagesseminare werden hauptsächlich zu sehr aktuellen Themen angeboten. Hier können Sie sich als Betriebsrat oder Interessenvertreter schnell und einfach auf dem Laufenden halten und bekommen ein kompaktes Update für Ihre Betriebsratsarbeit.

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Last-Minute Seminare

Flexibel sein lohnt sich! Immer wieder bieten wir ausgewählte Seminare für Betriebsräte und Interessenvertreter zum Last-Minute Angebot an, vor allem einige Wochen vor Seminarbeginn.

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Kostenlose Starterpakete

Unser Ziel ist es, Betriebsräte stärker und wirksamer zu machen. Dafür haben wir kostenlose „Starterpakete“ für verschiedene Seminare entwickelt, die Sie bei Ihrer BR-Arbeit nicht nur inhaltlich sondern auch praktisch unterstützen.

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Mit dem ifb an die Uni

Für Ihre berufliche und persönliche Zukunft: Das Seminar-Highlight in Zusammenarbeit mit der Ludwig-Maximilians-Universität München.

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Unser Dank für Ihr Engagement!

Ebenso wie Betriebsräte setzen Sie sich als ehrenamtlicher Richter für eine gerechtere Arbeitswelt ein. Knapp 30 Jahre Schulungserfahrung nutzen wir jetzt auch, um Sie bei diesem Ehrenamt aktiv zu unterstützen.

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Hauptsache gesund

Gesundheitskompetenz im Unternehmen

Nicht nur für den Einzelnen, auch für Unternehmen ist das Thema Gesundheit von zentraler Bedeutung. Trotzdem steigen Krankentage und Fehlzeiten an. Unsere Spezialistin für den Arbeits- und Gesundheitsschutz, Ines Heinsius, beleuchtet, warum das Zauberwort „Gesundheitskompetenz“ der Schlüssel für eine bessere Gesundheit ist. Gesundheit

Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“ Das wusste seinerzeit schon der Philosoph Arthur Schopenhauer (1788-1860). Ob damals oder heute: Die Gesundheit hat einen immens hohen Stellenwert. Dabei ist nicht nur die Konstitution jedes einzelnen Menschen, sondern auch das Thema „Gesundheit im Unternehmen“ wichtiger als je zuvor. Denn gesunde und leistungsfähige Mitarbeiter sind die wichtigste Ressource eines erfolgreichen Unternehmens.

Was verwundert, ist, dass immer mehr Menschen krank werden, obwohl die Informationsflut zum Thema Gesundheit permanent zunimmt. Wir werden geradezu überfrachtet mit Tipps, Berichten und Meldungen zu neuesten medizinischen Erkenntnissen. Eigentlich müssten wir uns bestens auskennen. Doch woher kommen dann die hohen Krankenzahlen? Oder umgekehrt: Was brauchen wir, um tatsächlich ein gesundes Leben zu führen? Das Zauberwort heißt: Gesundheitskompetenz.

Wissen, verstehen, umsetzen

Einfach ausgedrückt ist Gesundheitskompetenz die Kompetenz zur Erhaltung und Förderung der Gesundheit oder zur Bewältigung von Krankheiten. Die Gesundheitswissenschaftlerin Ilona Kickbusch definiert es so: „Gesundheitskompetenz ist die Fähigkeit des Einzelnen, im täglichen Leben Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken.“ Dazu braucht es laut der Weltgesundheitsorganisation WHO eine „Gesamtheit kognitiver und sozialer Fertigkeiten, die Menschen dazu motivieren und befähigen, Informationen zur Förderung und Erhaltung ihrer Gesundheit zu beschaffen, zu verstehen und zu nutzen.“

Wir müssen also nicht nur wissen, was uns gesund macht bzw. gesund bleiben lässt. Wir müssen auch in der Lage sein, es zu verstehen und unser Wissen für ein gesundheitsgerechtes Leben zu nutzen.

Mit Informationen fängt es an

Wir leben in einer wachsenden Informationsgesellschaft – ja fast schon in einer Gesellschaft der Informationsüberflutung. Da, so sollte man meinen, müssten uns eigentlich ausreichend Informationen zur Verfügung stehen, über das, was uns gesund macht bzw. gesund bleiben lässt. In vielerlei Hinsicht trifft dies auch zu. Trotzdem fühlen sich zahlreiche Menschen nicht ausreichend informiert, um gesundheitsfördernde Entscheidungen zu treffen. Laut einer aktuellen Studie, die das Wissenschaftliche Institut der AOK (Wido) jetzt veröffentlicht hat, finden es immerhin mehr als ein Viertel der versicherten Deutschen schwierig, überhaupt selbstständig Informationen über Krankheitssymptome zu suchen und zu finden. Wie das?

Ein Grund hierfür ist denkbar einfach, aber dennoch überraschend: Laut dem Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. können 7,5 Millionen Menschen in Deutschland kaum lesen. 300.000 von ihnen können nicht einmal einzelne Wörter lesen, zwei Millionen verstehen Wörter, aber keine Sätze. Genau diese Fähigkeit ist jedoch die Voraussetzung, um sich in unserer wachsenden Informationsgesellschaft zurechtzufinden. Laut Experten (z.B. Peter J. Schulz, Kent Nakamoto, Don Nutbeam) ist diese Fähigkeit überhaupt die Grundlage einer Gesundheitskompetenz. Nicht nur, weil dank ihrer das Wissen beschafft und aufgenommen werden kann. Die Fähigkeit, Informationen aufzunehmen, hilft auch, das eigene Leben in die Hand zu nehmen und Probleme aktiv zu lösen.

Gesundheitskompetenz und Bildungsstand

Für viele Menschen liegt das Problem auf einer anderen Ebene. Die Informationen sind für sie zwar verfügbar, aber nicht ausreichend verständlich. Laut der genannten AOK-Studie hat immerhin fast ein Drittel der Befragten Probleme, Medienberichte über Gesundheits- und Medizinthemen nachzuvollziehen. Rund jeder Siebte hat außerdem Schwierigkeiten damit, seinen Arzt zu verstehen. Dies liegt einerseits an den gern verwendeten medizinischen Fachausdrücken. Grund sind jedoch oft auch mangelnde Sprachkenntnisse (z.B. bei Menschen mit Migrationshintergrund) bzw. ein genereller Mangel an Bildung. Zahlreiche Studien wagen daher folgende Schlussfolgerung: Die Gesundheitskompetenz steigt mit dem Bildungsstand. Je gebildeter ein Mensch ist, desto besser ist er in der Lage, Gesundheitschancen wahrzunehmen. Nicht nur, weil er die Informationen versteht, sondern auch deshalb, weil es ihm leichter fällt, aus der Flut von Informationen das für ihn Wichtige herauszufiltern.

Die Umsetzung – eine Sache der Haltung

Trotzdem wissen die meisten Menschen, was gesund macht bzw. was sie gesund bleiben lässt.Zwar kann laut der AOK jeder Fünfte nur schwer beurteilen, welche Alltagsgewohnheiten wie Ernährung, Trinkverhalten oder Bewegung mit der eigenen Gesundheit zusammenhängen. Doch der Mehrheit ist bekannt, dass beispielsweise Rauchen bzw. zu viel Stress krank machen können. Wir wissen, wie wir uns gesundheitsgerecht verhalten könnten, tun es aber nicht. Was uns fehlt, ist die Einstellung bzw. die Motivation zum Handeln. Hier ist weniger das fachliche Know-how gefragt, sondern vielmehr persönliche Fähigkeiten. Es geht um gesundheitsbezogene Werte, Gewohnheiten und Einstellungen, das Verantwortungsgefühl für sich selbst und für andere, das Vertrauen in den Erfolg des eigenen Handelns und die daraus resultierende Fähigkeit, Krankheiten aktiv und wirkungsvoll zu begegnen. All dies hat eine bedeutende Auswirkung auf die Gesundheit, so der Gesundheitsreport 2010 der Barmer GEK. Wir haben diese Werte, Einstellungen und Gewohnheiten im Laufe unseres Lebens durch Einflüsse und Prägungen gelernt … oder eben auch nicht. Je stärker diese Fähigkeiten ausgeprägt sind, desto besser gehen wir mit uns um und desto größer ist unsere Gesundheitskompetenz. Und sind diese Fähigkeiten erst einmal da, ist die Umsetzung an sich auch kein großes Problem mehr. Dann geht es nahezu wie von selbst, durch geeignete Maßnahmen und durch eine geeignete Lebens-weise die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit zu erhalten – und sogar zu steigern. Um dorthin zu gelangen, ist in erster Linie nicht die Änderung unseres Verhaltens notwendig, sondern die Änderung unserer inneren Haltung.

Gesundheitskompetenz von Unternehmen

 Die Gesundheitskompetenz jedes einzelnen Menschen ist die eine Seite. Aber auch die Gesundheitskompetenz von Unternehmen wird immer wichtiger, insbesondere unter dem Gesichtspunkt des demografischen Wandels. Die Mitarbeiter werden zunehmend älter, während die Anforderungen an den einzelnen Arbeitnehmer immer weiter steigen. Zum Glück hat es sich auch in den Management-Etagen inzwischen herumgesprochen, dass die Gesundheit der Beschäftigten ein wesentlicher Faktor für die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit eines Betriebs ist. Der Erhalt der Arbeits- und Leistungsfähigkeit ist sowohl für den einzelnen Arbeitnehmer als auch für das gesamte Unternehmen von zentraler Bedeutung. Doch ähnlich wie bei der individuellen Gesundheitskompetenz reicht auch hier eine einzelne Maßnahme (z.B. das Angebot einer Rückenschule) nicht aus. Die Gesundheitskompetenz von Unternehmen muss vielmehr Teil eines Gesamtkonzepts sein. Dazu gehört ein betriebliches Gesundheitsmanagement mit entsprechenden Gefährdungsbeurteilungen und zielgerichteten gesundheitsfördernden Maßnahmen. Genauso wichtig ist das betriebliche Bewusstsein, dass die Gesundheit der Mitarbeiter von hohem Wert ist. Dieses Bewusstsein muss im Sinne einer Gesundheitskultur im Unternehmen fest und dauerhaft verankert werden.

Führungskräfte sind gefragt

Eine solch nachhaltige Verankerung muss an mehreren Stellen stattfinden. Wichtig ist die regelmäßige Kommunikation über Gesundheitsthemen im Unternehmen und das bedarfsgerechte Angebot gesundheitsfördernder Maßnahmen und Aktionen (z.B. Gesundheitstag, Gesundheitszirkel, Vorträge). Sofern Unternehmensleitlinien vorhandensind, sollte dort das Ziel aufgenommen werden, bei allen Entscheidungen und Prozessen im Unternehmen das Thema Gesundheit zu berücksichtigen. Mit am wichtigsten ist es jedoch, das Thema Gesundheit überzeugend „zu leben“ und nicht ad absurdum zu führen, indem beispielsweise darüber gesprochen wird, aber keine Umsetzung erfolgt. Hier sind die Unternehmensleitung und die Führungskräfte in ganz besonderer Verantwortung. Sie sind die Schlüsselfiguren für die Gesundheit vor Ort. Denn was nutzen die besten Maßnahmen und Kurse, wenn die „oberen Etagen“ nicht hinter der Bedeutung der Gesundheit stehen. Es ist deshalb besonders wichtig, dass die Führungskräfte selbst vom Nutzen und der Notwendigkeit der Gesundheitskompetenz im Unternehmen überzeugt sind und mit ihrem eigenen Verhalten durch ihre Vorbildfunktion auf die Gesundheit der Beschäftigten Einfluss nehmen. So wäre es ideal – doch auch Führungskräfte sind nur Menschen. Weil sie aber diese Schlüssel- und Vorbildfunktion haben, sind entsprechende Schulungen zum Thema „Gesunde Führung“ gerade hier besonders wichtig, um einen optimalen gesundheitsförderlichen Umgang mit den Mitarbeitern zu realisieren.

Fazit: Verantwortung an allen Seiten

Unternehmen tragen eine hohe Verantwortung für ihre Mitarbeiter. Sie müssen Rahmenbedingungen für die Gesundheit und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz schaffen und den Gedanken entsprechend in den Arbeitsalltag integrieren. Die höchste Verantwortung in Sachen Gesundheit hat jedoch immer noch jeder für sich selbst. Nur wer bereit ist, nicht nur Gewohnheiten, sondern auch seine persönliche Einstellung zu ändern, wird es schaffen, langfristig ein gesünderes und damit auch glücklicheres Leben zu führen.

Autor und Quelle

Ines Heinsius

plant als Juristin seit vielen Jahren Seminare beim ifb. Mittlerweile ist sie verantwortlich für den gesamten Bereich Arbeits- und Gesundheitsschutz.