Interview mit Hans Schneider

Hans Schneider gründete 1988 das Institut zur Fortbildung von Betriebsräten und führt bis heute das Unternehmen.

 

„Ich habe den größten Respekt für Menschen, die sich für andere einsetzen!”

1. Das ifb feiert 2018 sein 30jähriges Bestehen. Hans, Du bist der Gründer des ifb und arbeitest auch heute noch in Deinem Unternehmen – obwohl Du wahrscheinlich problemlos in den Ruhestand gehen könntest. Warum engagierst Du Dich noch so aktiv?

 

Hans Schneider: Ganz einfach, weil mir das Arbeiten hier nach wie vor großen Spaß macht. Die offene Atmosphäre, der freundliche und oft herzliche Umgangston im Haus... das schätze ich sehr.

 

2. Mittlerweile beschäftigst Du mehr als 150 festangestellte Mitarbeiter. Hättest Du Dir das bei der Gründung des Instituts im Jahr 1988 gedacht?

 

Hans Schneider: Damals fing ich als kleiner Ein-Mann-Betrieb an. Ich hatte nur eine Idee im Kopf und eine Vision. Diese Vision leitet mich bis heute. Ich wollte Betriebsräte in die Lage versetzen, ihren Job gut zu machen und diesen auszufüllen. Es geht mir um erwachsenengerechtes Lernen. Dazu gehört auch, dass Lernen Spaß machen darf. Wir haben es früher am eigenen Leib erfahren, etwa wie das Lernen in der Schule war oder in der Ausbildung: Nämlich oft voller Leid und von negativen Konnotationen behaftet. Da finde ich es verständlich, dass viele Erwachsene irgendwann auch froh sind, wenn sie das Lernen hinter sich haben. Nur: Das war früher. Die Zeiten haben sich mittlerweile grundlegend geändert.

 

3. Wie meinst Du das?

 

Hans Schneider: Heute ist lebenslanges Lernen angesagt und das wird auch so bleiben. Wir leben in einer Wissensgesellschaft. Betriebsräte bilden da keine Ausnahme – im Gegenteil. Sie sind ganz vorne mit dabei, was die Erwachsenenbildung angeht. Nach ihrer Wahl ins Betriebsratsgremium müssen sie sich schnell juristisches Wissen aneignen und viele weitere Kenntnisse. Wir dürfen nicht vergessen: „Betriebsrat“ ist ja schließlich kein Ausbildungsberuf. Man wird ins kalte Wasser geworfen und ist gezwungen, so schnell wie möglich zu lernen. Wie erleichternd ist es dann, wenn man erkennt, dass der Lernprozess gar nicht dröge sein muss? Mit den richtigen Menschen und Methoden kann es sogar Spaß machen.

 

4. Was macht das ifb so erfolgreich?

 

Hans Schneider: Ja, der Spaß am Lernen ist einer der Gründe. Aber wir investieren auch viel Arbeit und Mühe in die Organisation eines Seminars. Es soll alles zusammen passen. Im Grunde sind es die vielen Menschen, die gemeinsam an diesem Ziel arbeiten. Unsere Mitarbeiter in der Zentrale in Seehausen, die Seminarleitungen und die Referenten überall in Deutschland sind für den Erfolg des ifb verantwortlich. Jeder leistet seinen Beitrag, damit ein Seminar für den Teilnehmer gut ist und oft sogar zum echten Erfolgserlebnis wird. Dazu kommt noch ein weiterer Ansporn: Wir bilden ja schließlich Betriebsräte und weitere, betriebliche Interessenvertreter aus. Diese erfüllen einen rechtlichen, sozialen und gesellschaftlichen Auftrag. Unsere Arbeit bekommt dadurch eine besondere Bedeutung. Wir schulen diese Menschen, damit sie ihren Auftrag besser erfüllen können. Im weiteren Sinne kommt unsere Arbeit dadurch vielen Beschäftigten und einem großen Teil der Gesellschaft zugute. Das macht uns stolz und treibt uns an.

 

5. In Zeiten des „lebenslangen Lernens“ gibt es unzählige Weiterbildungsmöglichkeiten. Was hat Dich bewogen, Deine Idee von erwachsenengerechtem Lernen gerade mit Betriebsräten umzusetzen?

 

Hans Schneider: Ich habe den größten Respekt vor Menschen, die sich für andere einsetzen und damit im Betrieb nicht immer beliebt machen. Wir hören leider häufig, dass Betriebsräte gegen massiven Widerstand im Betrieb ankämpfen und persönliche Nachteile in Kauf nehmen – nur, um einen Betriebsrat zu gründen oder sich in einem bestehenden Gremium zu engagieren.

 

6. Wie wichtig ist für Dich persönlich die Idee der betrieblichen Mitbestimmung?

 

Hans Schneider: Betriebliche Mitbestimmung ist ein starker Eckpfeiler unserer Arbeitswelt. Wir brauchen Menschen, die sich für andere engagieren. Ohne sie würde unser soziales Gefüge nicht funktionieren. Der Wert, den Betriebsräte und betriebliche Interessenvertreter durch ihren Einsatz für die Gesellschaft haben, ist enorm. Arbeitnehmer bekommen durch den Betriebsrat ein Sprachrohr. Und mehr noch: Betriebsräte fangen Konflikte oft schon im Vorfeld auf. Das kommt natürlich dem gesamten Unternehmen zugute. Die Mitbestimmung ist ein großer Erfolgsfaktor in der sozialen Marktwirtschaft. Und sie führt zu einer besseren Balance von Macht und Verantwortung. Es ist nie gut, wenn Macht nur auf einer Seite konzentriert ist.

7. Was für ein Verhältnis hat das ifb zu Gewerkschaften?

 

Hans Schneider: Gute Frage! Oft werden wir nämlich mit einer Gewerkschaft verwechselt. Wir sind aber keine. Das ifb ist unabhängig – sowohl ideologisch, als auch politisch. Mir war es von Anfang an wichtig, darauf hinzuweisen, dass wir ideologiefrei schulen. Das heißt nicht, dass wir die Arbeit der Gewerkschaften nicht schätzen. Im Gegenteil. Ich bin der Meinung, dass sie einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten. Aber Gewerkschaften haben einen gesellschaftspolitischen Auftrag. Betriebsräte vertreten nur die Beschäftigten vor Ort, mehr nicht. Viele Menschen nehmen auch fälschlich an, man müsse Mitglied in einer Gewerkschaft sein, um überhaupt Betriebsrat zu werden – das stimmt aber nicht!

 

8. Und wie passt diese Aussage mit den Seminaren des ifb zusammen? Sind die Seminare unabhängig?

 

Hans Schneider: Ja, denn unsere Teilnehmer lernen konsequent, wie sie die Interessen der Beschäftigten aus ihrem Betrieb vertreten. Und das ifb vertritt die Interessen dieser Betriebsräte. Das „Wie“ ist dabei entscheidend. Wir fördern das Modell einer vertrauensvollen Zusammenarbeit soweit das möglich ist. Dabei sind wir auch realistisch und wissen, wie oft es in Betrieben zu Konflikten kommt – die sich teilweise nur noch vor Gericht klären lassen. Unser Ansatz ist daher präventiv: Wir wollen erreichen, dass Betriebsrat und Arbeitgeber langfristig eine gemeinsame Basis aufbauen. Denn auf lange Sicht lässt sich durch Kooperation mehr für die Arbeitnehmer erreichen, als durch ständige Konfrontation. Das Handwerkszeug dafür vermitteln wir auf unseren Seminaren.

Doch eines sollte dabei auch klar sein: Wenn es nicht anders geht, dann unterstützen wir den Betriebsrat mit allen Mitteln dabei, dass er auch für den Streitfall bestens ausgerüstet ist!

 

9. Wie setzt das ifb diesen Fall in der Praxis um?

 

Hans Schneider: Wir halten nichts von reinem Schwarz-Weiß-Denken. Also auf der einen Seite ein Arbeitgeber, auf der anderen ein Betriebsrat und dazwischen nur ein tiefer Graben. Denn die Realität sieht meistens viel komplexer aus. Wer Betriebsräte kennt, der weiß, dass viele von ihnen voller Überzeugung hinter ihrem Unternehmen stehen, hinter den Produkten und der Idee. Damit haben sie eine große Gemeinsamkeit mit der Geschäftsleitung. Auch Betriebsräte wünschen sich den Erfolg des Unternehmens. Dadurch gilt für uns: Kooperation wo möglich, Konfrontation wenn nötig.

 

10. Was ist denn das Besondere am ifb als Arbeitgeber? Was zeichnet die Arbeit beim ifb aus?

 

Hans Schneider: Da möchte ich gerne nochmal die herzliche Atmosphäre bei uns in der Zentrale in Seehausen aufgreifen. Wir haben oft Besucher und viele von ihnen sagen, dass sie angenehm überrascht davon sind, wie familiär es bei uns zugeht. Für das ifb zu arbeiten bedeutet auch, dass unsere Mitarbeiter ihr kreatives Potential voll ausschöpfen können. Bei uns ist zum Beispiel ein fachübergreifendes Arbeiten möglich. Jeder Mitarbeiter darf sich so entfalten, wie er möchte – das ist ja heutzutage nicht selbstverständlich. Bei uns muss sich niemand verstellen. Wir fördern die offene Kommunikation. Die Mitarbeiter pflegen einen wertschätzenden Umgang miteinander – das ist auch mir persönlich sehr wichtig.

 

11. Wie sehen die Zukunftspläne des ifb aus?

 

Hans Schneider: Unser Ziel bleiben tolle Seminare, die unsere Teilnehmer begeistern. Da lassen wir nicht locker. Wir geben dem Betriebsrat alle Werkzeuge an die Hand, die er in einer sich schnell ändernden Arbeitswelt braucht, um gute Arbeit zu leisten. Unseren Mitarbeitern wollen wir ein guter und verlässlicher Arbeitgeber sein. Wir engagieren uns im Bereich „Gesundes Arbeiten“ und tun einiges für die Familienfreundlichkeit des Betriebs. Arbeiten für das ifb soll etwas sein, das man gerne macht, das man mit dem eigenen Leben verbinden kann und das inhaltlich befriedigt. Indem wir Betriebsräte schulen, erfüllen wir eine gesellschaftspolitisch wichtige Aufgabe. Darauf sind wir sehr stolz.