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Gut zu wissen
Für die vielen Anforderungen an Sie als Betriebsratsvorsitzenden oder Stellvertreter müssen Sie sich umfangreich informieren. Manchmal ist es dabei auch ganz wichtig zu wissen, wie Ihre Betriebsratskollegen aus anderen Unternehmen denken. Darum bieten wir zu unseren aktuellen Infos auch gleich eine Umfrage an. Mit der Rubrik „Gut zu wissen“ können Sie also nicht nur Ihren Wissenschatz erweitern!

Hier finden Sie die aktuelle Umfrage aus dem monatlichen Newsletter für Ihre Arbeit als Betriebsratsvorsitzender. Stimmen Sie mit ab und erfahren Sie, wie andere Betriebsratsvorsitzende über die Frage denken. Den kostenlosen Newsletter mit vielen interessanten Fachbeiträgen können Sie hier bestellen.

Die Betriebsversammlung als doppelte Chance

Bald ist es wieder soweit: Die Betriebsversammlung steht vor der Tür. Diese Plattform eignet sich hervorragend, sich als Betriebsratsgremium gegenüber der Belegschaft öffentlich zu präsentieren. Beginnen Sie frühzeitig mit der Planung. Denn es gibt ganz unterschiedliche Arten, an diese Versammlung heranzugehen.

 

„One-Man-Show“ oder Mannschaftsspiel?

In vielen Gremien ist es üblich, dass die Vorbereitung der Betriebsversammlung vom Vorsitzenden selbst, seinem Stellvertreter oder einem Betriebsausschuss erledigt wird. Viele Gremien betrachten es zudem als selbstverständlich, dass ausschließlich der Vorsitzende, stellvertretend für alle, in der Öffentlichkeit auftritt und die Versammlung alleine bestreitet. Oft wird diese Plattform auch von freigestellten BRVs gut genutzt, um mit den Erfolgen für eine weitere Amtszeit zu werben. Das sind gute Gründe dafür als Vorsitzender das Gremium auf der Versammlung ganz alleine zu präsentieren.

So nimmt der Vorsitzende häufig alleine und als einziger Redner den Tätigkeitsbericht für die Versammlung in Angriff. Viele BR-Mitglieder sind froh, nicht im Rampenlicht stehen zu müssen. Die wenigsten haben Erfahrung damit, vor größeren Gruppen zu sprechen. Dies hat zur Folge, dass kaum ein Kollege bereit ist, sich den Belastungen, die mit einem Auftritt auf einer Versammlung verbunden sind zu stellen. So wird der BRV häufig zum „Aushängeschild“ des Betriebsrats, aber auch zum „Alleinunterhalter“ während der Versammlung.

 

Ist der Vorsitzende verpflichtet, die Versammlung alleine zu bestreiten?

Im Gesetz steht hierzu, dass der Tätigkeitsbericht vom Betriebsrat vorzutragen ist. Der Gesetzgeber geht zwar zunächst davon aus, dass hierfür in erster Linie der Vorsitzende und bei seiner Verhinderung der Stellvertreter zuständig ist, allerdings räumt die herrschende Meinung in den Kommentaren ausdrücklich die Möglichkeit ein, dass auch andere Betriebsratsmitglieder mit der Berichterstattung beauftragt werden können. Es heißt: „Umfasst der Bericht verschiedene Sachgebiete – was in Großbetrieben vielfach der Fall sein dürfte –, kann er von verschiedenen BR-Mitgliedern erstattet werden.“ (Fitting, 29. Auflage, § 43 Rn. 16)

Der Vorsitzende kann nicht selbst in allen Bereichen, die z.B. aus verschiedenen Ausschüssen zusammengetragen werden, gleichermaßen Bescheid wissen. Je nach Präsentationstalent und Fachwissen wäre ein anderer Kollege zu einem bestimmten Thema vielleicht viel besser geeignet, um Rede und Antwort zu stehen oder sich in der Öffentlichkeit mit der Geschäftsleitung fachlich auseinanderzusetzten.

 

Machen Sie die Betriebsversammlung zur gemeinsamen Sache

Es liegt also im Ermessen des Gremiums (per Beschluss in der Betriebsratssitzung), die Themen auf die einzelnen Mitglieder im Gremium zu verteilen. Nutzen Sie diese Möglichkeit, sich gemeinsam als ein fachkompetentes Betriebsratsteam zu präsentieren. Und: je mehr Personen sich aktiv an der Gestaltung der Versammlung beteiligen, desto kurzweiliger und interessanter wird die Veranstaltung wahrgenommen.

Um die Versammlung zu einer gemeinsamen Sache zu machen, ist es nicht unbedingt notwendig, dass jeder gleich einen Redebeitrag übernimmt. Das erste Ziel ist schon erreicht, wenn sich möglichst viele Betriebsratskollegen engagieren. Erst dann wird die Versammlung zur gemeinsamen Aktion, mit der sich alle gut identifizieren können.

Durch unterschiedliche Rollen- und Aufgabenverteilungen, die sowohl von ungeübten als auch von erfahrenen Betriebsratskollegen bewältigt werden können, haben Sie die Möglichkeit, das ganze Gremium in die Vorbereitung und Gestaltung mit einzubinden. Das festigt den Teamgeist und gibt Ihrer Versammlung ein neues Gesicht.

 

Fazit

Auf je mehr Schultern die Arbeit verteilt wird, desto kleiner und realistischer werden die Anforderungen an den Einzelnen. Damit wächst die Bereitschaft der Betriebsratsmitglieder, freiwillig einen Teil der anstehenden Arbeiten zu übernehmen. Eine gemeinsame Vorbereitung stärkt nicht nur die Zusammenarbeit und Identifikation innerhalb des Gremiums, sondern fördert auch den Eindruck bei der Belegschaft, dass der Betriebsrat engagierte Arbeit leistet – und das lohnt sich besonders in Hinblick auf die anstehende Wahl!

 

Für eine gut strukturierte Vorbereitung Ihrer nächsten Versammlung, finden Sie hier eine nützliche Checkliste zur Ablaufplanung:

 

1. Versammlungsform, Themen und Tagesordnung festlegen

  • Welche Versammlungsform ist angebracht: Vollversammlung oder Abteilungsversammlungen? Soll die Versammlung unter einem bestimmten Motto stehen?
  • Routine-Tätigkeitsbericht: Was hat der BR seit der letzten Versammlung an größeren und kleineren Problemen, Anfragen, Aufgaben bewältigt?
  • Schwerpunkt-Tätigkeitsberichte: Zuständigkeiten festlegen
  • Bericht des Arbeitgebers: Inhalte und Redezeiten im Vorfeld absprechen
  • Beiträge außerbetrieblicher Referenten: Gewerkschaftsbeauftragter, Sachverständiger usw.
  • Beiträge sonstiger betrieblicher Funktionsträger: Jugend- u. Auszubildenden-Vertretung, Schwerbehinderten-Vertretung, Sicherheitsbeauftragter usw.
  • Themen/Fragen aus der Belegschaft einholen

 

2. Tätigkeitsberichte erstellen (Inhaltliche Vorbereitung im Gremium)

  • Was ist seit der letzten Betriebsversammlung an bedeutsamen Ereignissen, Schwerpunktthemen und allgemeinen Problemen der Betriebsratsarbeit gelaufen?
  • Welche wichtigen erledigten und unerledigten Aufgaben sind angefallen?
  • Welche besonderen Probleme, Schwierigkeiten und Konflikte sind erwähnenswert?
  • Ausblick auf das nächste Quartal

 

3. Organisatorische Vorbereitungen

  • Technische Ausstattung festlegen: Bestuhlungsform, Sitzordnung, Lautsprecheranlage, Saalmikrophon, Tageslichtprojektor und Leinwand, sonstige Medien
  • Arbeitgeber über Termin und gewünschten Ort informieren
  • Arbeitgeber bitten, Raum und technische Ausstattung zur Verfügung zu stellen
  • Rechtzeitig vor der Betriebsversammlung kontrollieren, ob alle technischen und organisatorischen Maßnahmen getroffen sind

 

4. Einladungen

  • Einladung mit Tagesordnung für die Belegschaft in attraktiver Form erstellen
  • Gesonderte schriftliche Einladungen an Arbeitgeber, Gewerkschaftsbeauftragten und sonstige Personen wie z. B. außerbetriebliche Referenten
  • Einladung für die Belegschaft an geeigneten Orten aushängen, so dass sie allen zur Kenntnis gelangt (z. B. Flugblätter)

 

5. Sonstige Vorbereitungen

  • Belegschaft ansprechen, um sie zu Themen und Diskussionsbeiträgen zu motivieren
  • Eigene Redebeiträge vorbereiten: Stichwortkonzept ausarbeiten
  • Generalprobe der Redebeiträge vor den BR-Kollegen und überprüfen, ob Inhalte und Präsentation vollständig, verständlich und ansprechend sind
  • Auf den Bericht des Arbeitgebers, soweit möglich, vorbereiten, Inhalte und Redezeiten im Vorfeld absprechen
  • Auf mögliche Einwände und Fragen der Belegschaft vorbereiten