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Einseitige Geschäftsleitung

Wie geht ein Betriebsrat damit um, das die Geschäftsleitung sich auf die Seite eines Mitarbeiters stellt und deren Führungskraft absetzen will, wenn der BR nicht überzeugt ist wer Recht hat?

Worum geht es bei dem Konflikt, was sind die Streitpunkte?

Eine Kollegin der Abteilung fühlt sich von der Warenbereichsleiterin nicht korrekt behandelt, und macht sich bei der Hausleitung Luft. Die Hausleiterin stellt sich sofort auf die Seite der Kollegin, und konfrontiert die Warenbereichsleiterin mit sämtlichen Fehlern, die sie bis dato gemacht haben soll. Diese Warenbereichsleiterin soll nun in eine andere Abteilung versetzt werden und eventuell nur als Gruppenleiterin tätig sein.

Wer ist beteiligt?

Die Hausleiterin, die Warenbereichsleiterin und die Kollegin aus der Abteilung.

Welche Rollen haben die Beteiligten?

Die Hausleitung ist Boss. Die Warenbereichsleiterin muss die Abteilung und ihre Mitarbeiter führen. Die Kollegin muss Anweisungen der Warenbereichsleiterin Folge leisten. Ich als Betriebsratsvorsitzende muss den Konflikt sauber lösen.

Wie ist Ihre eigene Position?

Ich möchte als Betriebsratsvorsitzende der Warenbereichsleiterin zur Seite stehen.

Wie weit ist der Konflikt eskaliert?

Die Hausleiterin droht mit der Versetzung in andere Abteilung ohne Führungsposition und auch mit eventueller Kündigung.

Was ist bisher geschehen?

Die Hausleiterin informierte den Betriebsrat über Inkompetenz der Warenbereichsleiterin, über deren kindisches Verhalten ihr gegenüber.

Was wurde bereits unternommen, um den Konflikt zu lösen?

Zur Zeit noch gar nichts, als nur bevorstehende Gespräche.

Weshalb wollen Sie das Ganze gerade jetzt klären?

Hausleiterin drängt auf Umsetzung ihres Planes.

Was ist Ihr zentrales Ziel – was wollen Sie erreichen?

Die Warenbereichsleiterin soll eine Chance bekommen, ihre Fehler zu beheben, bzw. abzustellen. Und ihre Abteilung mit der anderen Kollegin professionell zu führen.

Was passiert, wenn Sie keine Lösung finden?

Die Hausleiterin wird ihre Androhung wahr machen.

Sonstige Anmerkungen

Der Betriebsrat weiß auch, dass die Kollegin selber ein schwieriges Verhalten an den Tag legt, und sich nichts sagen lässt. Sie hat meiner Meinung nach ein Autoritätsproblem.

Antwort des Konfliktberaters

Eine Konfliktberatung baut zunächst auf den bekannten Informationen auf. Manch weiterer Hintergrund kann erhellend sein, mancher nur interessant aber nicht relevant für den aktuellen Konflikt. Die von Ihnen beschriebene Situation erscheint bereits relativ weit eskaliert, konkrete Maßnahmen sind geplant und stehen kurz vor der Umsetzung. Die Aktivitäten Ihrer Hausleitung gehen scheinbar ausschließlich in Richtung der Warenbereichsleiterin.

Mir stellen sich einige Fragen, deren Antwort eine Rolle spielen kann:

  • Gibt es eine Konflikt-Vorgeschichte zwischen der Kollegin und der Warenbereichsleiterin?
  • Wie sind die Beziehungen zwischen Kollegin, Warenbereichsleiterin und Hausleitung?
  • Was ist systemisch wichtig oder relevant für diesen Konflikt (andere Abteilungen, Personen, Aufgaben)?
  • Welche Rolle spielt der BR in Ihrem Unternehmen?
  • Was bringt Sie zu der Sicht, für die Lösung des Konflikts verantwortlich zu sein?


Im Moment scheint es klare Schuldige zu geben – aber immer andere, je nach Perspektive. Die Hausleitung sieht die Warenbereichsleiterin als „das Problem", der BR/Sie die Kollegin. Soweit diese Fronten und Positionen verhärtet sind, wird es schwierig zu einer gemeinsamen Sichtweise zu kommen. Im Moment erscheint mir Ihre Position relativ einseitig.

Ein Betriebsrat ist in der Regel immer eher Unterstützer, häufig ist das parteiisch sein seine zentrale Aufgabe. Zur Klärung von Konflikten ist gleichzeitig auch eine gewisse allparteiliche Haltung hilfreich, die mir im Moment nicht deutlich wird. Für eine allparteiliche, neutrale Haltung ist ein Schritt zurück hilfreich, der folgendes sagt: „Bevor wir konkrete Maßnahmen einleiten, hören wir erst einmal bei allen Beteiligten genauer hin und versuchen Ihre Sichtweise zu verstehen. Erst dann entscheiden wir, wie wir weiter vorgehen." Dabei heißt „verstehen" nicht „damit einverstanden sein", sondern die Gründe und Anlässe der Verhaltensweisen nachzuvollziehen und die persönlichen Perspektiven zu erkennen. Möglich, das sich hierdurch eine neue Sicht auf den bestehenden Konflikt ergibt, in jedem Fall ein erweitertes Verständnis.

Konkret ist mein Vorschlag, jede wie auch immer geartete Entscheidung auszusetzen bzw. zu vertagen und zuerst Klärungsgespräche mit allen zu führen. Wenn Sie sich selbst schon zu befangen fühlen oder aber von der Kollegin als parteiisch empfunden werden so ziehen Sie eine neutrale Person hinzu. Das kann ein bisher unbeteiligter, von den Beteiligten vertrauenswürdig eingeschätzter BR sein, ein Mitarbeiter oder auch ein externer Moderator oder Mediator. Auf der Grundlage dieser Gespräche ist aus meiner Sicht ein gemeinsames, moderiertes Gespräch zwischen der Hausleitung, der Kollegin und der Warenbereichsleiterin der nächste Schritt. Denkbar sind auch die Konstellationen Kollegin – Warenbereichsleiterin – Moderator und Hausleitung – Warenbereichsleiterin – Moderator. Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass Sie nach den Vorgesprächen entscheiden können, wie dieser Konflikt geklärt werden kann.

Herzliche Grüße
Thomas Hubert