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Dienstplanung ohne Rücksicht auf Verluste

Beschreibung der Anfrage

Worum geht es bei dem Konflikt, was sind die Streitpunkte?
Dienstplanung und damit verbundene Verteilung der Wochenarbeitszeit auf die einzelnen Mitarbeiter in einem Transportunternehmen. Verstoß gegen Mitbestimmungsrecht nach § 87. Beleidigungen, Erniedrigungen und verbale Ausbrüche durch die Einsatzleitung. Androhung von arbeitsrechtlichen Konsequenzen bei Nichterscheinen zur Arbeit (6 Tage hintereinander arbeiten obwohl 5 Tage-Woche nach Arbeitsvertrag geregelt ist). Mitarbeiter trauen sich nicht den Betriebsrat einzuschalten aus Angst vor Einsatzleiter.

Wer ist beteiligt?
Einsatzleiter, Niederlassungsleiter, Mitarbeiter, Betriebsrat

Welche Rollen haben die Beteiligten?
Einsatzleiter sorgen durch Dienstplanung und Tourenplanung für einen reibungslosen Ablauf des Tagesgeschäfts. Niederlassungsleiter überwacht das Ganze und vertritt die Arbeitgeberseite. Betriebsräte haben bisher versagt.

Wie ist Ihre eigene Position?
Klärung ist längst überfällig aber der Chef hält sich heraus. Er ist der Meinung „nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen". Arbeitsklima ist total vergiftet, auch unter den einzelnen Kollegen.

Wie weit ist der Konflikt eskaliert?
Mutige Mitarbeiter informierten den Betriebsrat darüber, dass die Einsatzleitung freitagnachmittags Kollegen anruft und anweist, Samstag auch zu arbeiten, da im Monat sonst zu wenige Stunden gearbeitet werden und diese durch den Arbeitgeber trotzdem bezahlt werden müssen. Oder Beleidigungen gegenüber einer weiblichen Mitarbeiterin, die eine Sicherheitsschleuse nicht öffnen konnte mit den Worten "steck Dir den Finger in den A... und versuchs nochmal" usw.

Was wurde bereits unternommen, um den Konflikt zu lösen?
Chef wurde mehrmals schon darauf hingewiesen. Nimmt Einsatzleiter aber permanent in Schutz.

Weshalb wollen Sie das Ganze gerade jetzt klären?
Mitarbeiter tun alles um es diesem recht zu machen, nur um einem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Andere müssen dann darunter wieder leiden, weil dann diese in die Schusslinie geraten (zu langsam, zu unflexibel, zu unbequem).

Was ist Ihr zentrales Ziel – was wollen Sie erreichen?
Eine Einheit unter allen, keiner bekommt mehr oder weniger, gleiches Recht für alle. Versetzung oder schlimmstenfalls sogar eine Absetzung ganz besonders eines Einsatzleiters. Es ist zu beobachten und auch spürbar das in dessen Abwesenheit eine viel höhere Motivation da ist.

Was passiert, wenn Sie keine Lösung finden?
Mitarbeiter werden noch unzufriedener und verlassen das Unternehmen. Vieleicht ist das auch erklärtes Ziel der Geschäftsführung. Wir befinden uns seit 2009 in einem Sanierungstarif, der ausläuft. Der finanzielle Schaden eines jeden, der freiwillig geht, wäre immens hoch.

Antwort des Konfliktberaters

Mein erster Eindruck war, dass Ihre Anfrage eher einer juristischen Antwort bedarf. Rechtsberatung ist uns grundsätzlich untersagt und darf daher auch nicht im Rahmen dieses Konfliktchecks gemacht werden. Zu juristischen Ansatzpunkten wie der ordnungsgemäßen Wahrnehmung der Aufgaben und Pflichten des BR, einer vom BR ausgesprochenen Abmahnung bis hin zum Antrag auf Entfernung betriebsstörender Arbeitnehmer sollten Sie mit einem Rechtsanwalt besprechen.

Der Konflikt insgesamt erscheint mir relativ stark eskaliert bei gleichzeitig gering wahrgenommenen Leidensdruck auf Seiten Ihrer Geschäftsführung. Mir unklar ist auch die Haltung Ihres Betriebsrats: Kann oder will das Gremium nicht aktiver werden? Die gesetzlichen Möglichkeiten sind meiner Einschätzung nach jedenfalls vorhanden und bei dieser Problemstellung gut einsetzbar.

Ich will Ihnen aber dennoch ein paar Ansatzpunkte anbieten:

  • Schulung des BR im Hinblick auf Mitbestimmung bei Arbeitszeit, Personal- und Dienstplanung, Diskriminierung am Arbeitsplatz, Behandlung von Beschwerden
  • Juristische Beratung durch einen Rechtsanwalt
  • Abschluss oder Überarbeitung von Betriebsvereinbarungen zu diesen Themen
  • Durchführung einer anonymen MA-Befragung, um der Geschäftsführung den Ist-Zustand und den damit objektiven Handlungsbedarf aufzuzeigen
  • Direkte Ansprache kritischen Führungsverhaltens, verbunden mit dem Hinweis auf Konsequenzen (siehe juristische Beratung)

 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Lösung!
Thomas Hubert