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Kleinunternehmen

Beschreibung der Anfrage

Was ist passiert und wie haben Sie es erlebt? Was möchten Sie erreichen bzw. was ist Ihr Ziel?

Es geht um meine Tochter (21 Jahre alt). Sie arbeitet seit 1,5 Jahren in einer kleinen Firma mit 3 Mitarbeitern. Sie hatte im Oktober eine Sehnenentzündung und war deswegen 6 Wochen krank, es war kurzfristig sogar die Rede von einer eventuellen OP. Seitdem ist das Verhältnis zum Chef schlecht. Irgendwie sucht er immer nach Gründen sie zu schimpfen. Der Chef behauptet seitdem wäre ihre Arbeitsleistung nicht mehr wie vorher. Vorher hat er sie in den höchsten Tönen gelobt. Sie hat in der Probezeit 2 Gehaltserhöhungen bekommen. Sie und ihr Kollege haben jeder ca. 50 Überstunden, die weder bezahlt werden noch mit Freizeit ausgeglichen. Nachdem sie deswegen mal nachgefragt hat, weil sie für einen Arzttermin einen Urlaubstag nehmen musste, wurde ihr gesagt sie wäre selber Schuld wenn sie Überstunden machen muss, weil sie zu langsam ist. Meine Tochter bekommt Arbeiten aufgetragen, wo sie schon von Anfang sagt, dass das nicht geht, weil z. B. passendes Material nicht da ist und die vorgegebene Zeit zu kurz. Sie muss die Arbeit trotzdem machen und wenn das Ergebnis dem Kunden nicht gefällt soll sie in ihrer Freizeit die Arbeit nachbessern. Sie ist nur noch am Weinen und eigentlich bin ich der Meinung sie sollte den Job beenden. Sie versucht schon sich weg zu bewerben, aber das klappt gerade nicht.

Was ist Ihrer Meinung nach das größte Hindernis für eine gute Lösung?

Das Hindernis ist der Chef, mit dem sie nicht vernünftig reden kann. Er nimmt Aufträge an und fragt seine Mitarbeiter nicht, ob sowas überhaupt geht und wie lange es dauert. Die Zeit ist immer zu kurz für die Arbeiten.

Sonstige Anmerkungen

Sorry irgendwie hat das mit den wesentlichen Fakten nicht gut geklappt. Da ist so vieles. Hoffe sie könnt mir trotzdem antworten.

Antwort des Konfliktberaters

Aus Ihrer Anfrage wird deutlich, daß Ihre Tochter (und auch Sie) unter erheblichem Druck stehen. Ich habe Ihrer Schilderung entnommen, das der Arbeits- und Termindruck in der Firma Ihrer Tochter groß ist und die Verständigung mit dem Chef schwierig. Die Situation am Arbeitsmarkt ist für Ihre Tochter ebenfalls nicht einfach.

Ich hoffe Ihnen mit zwei Anregungen weiter helfen zu können. Zum einen sollte Ihre Tochter ihren Chef um ein persönliches Gespräch über die Zusammenarbeit bitten und das nicht zwischen Tür und Angel führen. Hier kann sie Ihrem Chef sagen, was sie stört und was sie sich von ihm in der Zusammenarbeit wünscht bzw. was sie von ihm / der Firma braucht, um gute Arbeit leisten zu können. Sie sollte ihn auch fragen, was ihn (möglicherweise) an der Zusammenarbeit stört (oder wo er sich Verbesserungen wünscht) und wie er zu ihren Aussagen steht. Der Verlauf des Gesprächs wird für Ihre Tochter Klarheit bringen, ob sie sich eine langfristige Zusammenarbeit in dem Unternehmen vorstellen kann.

Zum anderen empfehle ich Ihrer Tochter – auch wenn es in der Firma zu einer Verbesserung kommen sollte – kurz- bis mittelfristig berufliche Alternativen zu entwickeln. Welche anderen Arbeitgeber gibt es noch (außer den naheliegenden) bzw. welche Qualifikationen sind für Bewerbungen in Ihrer Region hilfreich? Was braucht sie / hilft ihr an zusätzlichen Ausbildungen/Qualifikationen und was kann sie neben ihrer Arbeitsstelle aufbauen? Wenn sich Ihre Tochter in den nächsten Wochen berufliche Chancen und Alternativen entwickelt, wird sie anders (und selbstbewusster) gegenüber ihrem Chef auftreten können – und sie hat eine Wahl!

Ich wünsche Ihnen beiden alles Gute!
Thomas Hubert