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Praxisfall "Störenfried"

Was tun, wenn ein BR immer nur gegen alles ist und sogar Stimmung gegen das Gremium macht?

Beschreibung der Anfrage

Was ist passiert und wie haben Sie es erlebt?

Wir sind ein 9er Betriebsratsgremium und haben die Freistellung so geregelt, dass BRV und Stellvertretung teilfreigestellt sind. Sowohl die Wahl des Stellvertreters als auch die Entscheidung über die Freistellungen war eine Kampfabstimmung mit sehr gereizter Stimmung im Gremium. Ein BR hatte sich Hoffnungen auf den Stellvertreterposten und die Teilfreistellung gemacht und hat beide Male knapp verloren. Es steht die Vermutung im Raum, dass er die Teilfreistellung in Anspruch nehmen wollte, um sich vor der regulären Arbeit im Betrieb zu drücken. Die Abstimmungs-Niederlagen scheint er nicht verwunden zu haben. Schon in der Vergangenheit war er extrem diskussionsfreudig. Jetzt hat sich das noch verstärkt, ständig werden von ihm Beschlüsse im Gremium in Frage gestellt und Forderungen aufgestellt, die aus meiner Sicht unerfüllbar sind. Viele andere BR sagen mittlerweile nichts oder nur wenig in den Sitzungen, so dass häufig nur die Sitzungsleitung es schafft, ihn im Zaum zu halten. Er kommt stets überpünktlich aber unvorbereitet zu den Sitzungen und macht dann meistens schnippische Bemerkungen. Einige Betriebsratsmitglieder, die früher motivierter waren, haben jetzt schon kaum noch Lust auf die Sitzungen, weil ständig schlechte Stimmung herrscht.

Was möchten Sie erreichen bzw. was ist Ihr Ziel?

Ich möchte erreichen, dass sich die Person aktiv und sachlich an der Betriebsratsarbeit beteiligt, weil sonst durch die Grabenkämpfe die Arbeit des ganzen Gremiums leidet und die Außenwirkung auf die Belegschaft und die Firmenleitung verheerend ist. Als geschlossene Truppe sind wir schon lange nicht mehr zu erkennen.

Was ist Ihrer Meinung nach das größte Hindernis für eine gute Lösung?

Ich glaube, die Person will gar nicht konstruktiv mitarbeiten. Ernsthafte Diskussionen mit ihm sind nur selten möglich. Es fehlt ihm meiner Meinung nach an Kompromissfähigkeit, er scheint jegliche Bewegung des BR´s auf den Arbeitgeber zu als Niederlage zu empfinden.

Sonstige Anmerkungen

Neuerdings vermuten wir, dass er in der Belegschaft Stimmung gegen den Betriebsrat macht. Bisher ist nichts Konkretes nachzuweisen.

Antwort des Konfliktberaters

Aus Ihrer Beschreibung wird deutlich, dass die Atmosphäre in Ihrem Gremium sehr angespannt ist und die BR-Arbeit erheblich beeinflusst.
Mir ist nicht klar, was zur Klärung der Situation bisher außerhalb der BR-Sitzungen passiert ist. Wenn Sie noch keine Entscheidung getroffen haben, ob Sie einen Versuch zur konstruktiven Klärung machen wollen oder können, scheint mir hier ein erster Ansatzpunkt zu liegen: Führen Sie mit dem Kollegen ein persönliches Gespräch (BRV allein oder gemeinsam mit der Stellvertretung). Ziel des Gesprächs: Wir möchten versuchen die bestehende Situation zu klären und ausloten, wieweit eine Zusammenarbeit im BR mit ihm möglich ist.

Beginnen Sie das Gespräch offen indem Sie vermitteln, das sie noch keine Entscheidung über die zukünftige Zusammenarbeit getroffen haben und der Verlauf und das Ergebnis dieses Gesprächs die Grundlage für Ihre Entscheidung sein werden. Aus der persönlichen Sicht des Kollegen gibt es sicher gute Gründe für sein Verhalten, die zu kennen für Sie hilfreich sind. Nachvollziehen heißt gleichzeitig nicht, das Sie diese Gründe auch akzeptieren müssen! Vermeiden Sie im Gespräch Unterstellungen, stellen Sie offene Fragen nach den Motiven und Interessen des Kollegen:

  • Warum ist er BR geworden?
  • Was ist ihm wichtig an der Aufgabe?
  • Wie versteht er seinen Auftrag zur Vertretung der Interessen der MA?
  • Welche Ziele sollte der BR aus seiner Sicht haben?
  • Was sind seine persönlichen Ziele?
  • Wie stellt er sich die Zusammenarbeit im Betriebsrat vor?
  • Wo sieht er Verbesserungsmöglichkeiten?
  • Was ist er bereit dafür selbst zu tun?
  • Wie sieht er die Aufgabe von BRV und Stellvertretung?
  • Wie sieht er die Situation aus Ihrer Perspektive (BRV)?
  • Welche Möglichkeiten kann er sich für eine konstruktive Zusammenarbeit vorstellen?
  • Was passiert aus seiner Sicht wenn der Konflikt weiter eskaliert?

 

Nachdem der Kollege seine Sichtweise erläutert hat (wenn die Bereitschaft dafür besteht) stellen Sie Ihre(n) Standpunkt(e), Ihre Ziele und was für Sie wichtig ist dar und formulieren Sie die Rahmenbedingungen für eine zukünftige konstruktive Zusammenarbeit aus Ihrer Sicht. Vereinbaren Sie möglichst konkrete Umgangsregeln und Absprachen, planen Sie einen weiteren Gesprächstermin für eine Zwischenbilanz.

Ich sehe auf der Grundlage der mir vorliegenden Informationen alternativ weitere Wege:

  • Einschaltung eines Mediators, der in Einzelgesprächen das Interesse an einer gemeinsamen Lösung abklärt
  • Ein offenes Gespräch in Beisein eines neutralen, allparteilichen Dritten
  • Den offenen Kampf bzw. eine Klärung der Situation in der betrieblichen Öffentlichkeit
  • Die juristische Prüfung, inwieweit eine Pflichtverletzung des BR vorliegt, die eine Amtsenthebung rechtfertigt

 

Ich hoffe Ihnen hiermit ein paar hilfreiche Anregungen gegeben zu haben, die Ihnen in der wirklich anstrengenden Situation weiterhelfen.