Facebook Pixel

Über die Hintergründe schwieriger Zusammenarbeit

Aus einem frisch gewählten Gremium der Logistikbranche mit mehreren freigestellten Betriebsräten erreichte uns die Anfrage zu einer Klausurtagung. Das Thema schien Standard zu sein: Vom neu gewählten Gremium zum Team. Aus unserer Erfahrung macht es sehr viel Sinn, sich für die Zusammenarbeit Zeit zu nehmen. Einerseits kommen neue Mitglieder zu einem bestehenden Team hinzu, die eigene Erwartungen, Ziele und Interessen haben, andererseits ist ein BR-Gremium kein Wünsch-dir-was sondern eine auf Zeit gewählte Interessenvertretung. Da stoßen unterschiedliche Ziele, Haltungen, Erfahrungen und Charaktere zusammen und nicht selten bleibt ein Gremium in der Gründungsphase stecken. Einzelne arbeiten (gerne auch an ihren Themen), andere tauchen ab und nur zu Sitzungen (unvorbereitet) auf, manche definieren sich über den Kampf (mit dem AG, der anderen Liste, der Ungerechtigkeit der Welt). Und natürlich gibt es viele motivierte und engagierte Betriebsräte, die eigentlich nur die Interessen der Mitarbeiter vertreten wollen und eine gute BR-Arbeit mit guten Ergebnissen leisten wollen.

Auch in diesem Fall ging die Initiative von Mitgliedern aus, die Zusammenarbeit und der Informationsaustausch im Gremium sollte verbessert werden. Aus den Vorgesprächen entstand ein grober Ablaufplan mit der Möglichkeit, sich bei Bedarf den Themen zu widmen, die sich vor Ort ergeben („Störungen haben Vorrang“). Auszüge aus der Planung:

  • Erwartungsklärung an den Workshop - Umgangs- und Feedbackregeln
  • Ist-Soll-Analyse von Teamfaktoren und Teamrollen
  • Zukünftige Rollen- und Aufgabenverteilung, Ausschussbesetzungen
  • Strategische Planung der BR-Arbeit der kommenden Jahre
  • Verbindliche Maßnahmen- und Umsetzungsplanung

Vor Ort zeigte sich dann schnell, wo weitere Konfliktthemen und besonderer Klärungsbedarf bestand: Die Zusammenarbeit der Freigestellten untereinander war schwierig. Für das Gremium selbst und umso mehr für die Mitarbeiter waren ihre Anwesenheiten im BR-Büro oder im Betrieb unklar. Monate zuvor war schon einmal die Abwahl des Vorsitzenden und eine Umverteilung der Freistellungen gefordert worden.

Die beiden ifb-Referenten teilten sich vorübergehend auf: Während ein Teil der Gruppe an der Ist-Analyse und den Sachthemen weiter arbeitete führten die Freigestellten eine offene Aussprache. Nach spannender und heißer Diskussion einigten sie sich auf eine verbindliche Absprache, wie sie einerseits für den Rest der Amtszeit miteinander zusammenarbeiten und wie sie zukünftig kritische Themen besprechbar machen. Der „Waffenstillstand“ machte den Weg frei für die Konzentration auf die eigentliche Aufgabe jedes Betriebsrates: Die Interessen der Mitarbeiter gut zu vertreten und mit dem Arbeitgeber zum Wohl des Unternehmens zusammenzuarbeiten.