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Rechtsprechung

Arbeitgeber muss gegen Mobbing vorgehen

Ansonsten drohen ihm Schmerzensgeldzahlungen

Ein Arbeitgeber, der nichts gegen Mobbing unternimmt, kann sich schadensersatzpflichtig machen.

Fall:
Eine 37-jährige Sachbearbeiterin des Landesamtes für Umwelt und Geologie in Sachsen hatte gegen ihren Vorgesetzten und den Freistaat Sachsen wegen Mobbings geklagt. Die zweifache Mutter forderte 32.000,- Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz wegen der Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte. Die Klägerin arbeitete von Oktober 1999 bis Februar 2001 in der Staatlichen Umweltbetriebsgesellschaft. Dort wurde sie nach Zeugenaussagen von der Kaffeerunde ausgegrenzt, mit Hilfsarbeiten betraut und durch gezielt gestreute Gerüchte verunglimpft. Auch ihr Notebook kam abhanden. Nach Aussage ihrer Anwältin sei die Frau nicht mehr in der Lage zu arbeiten. Sie sei nach einem längeren Klinikaufenthalt immer noch in psychotherapeutischer Behandlung und auf Medikamente angewiesen. Ihre berufliche Karriere sei ruiniert.

Entscheidung:
Das Arbeitsgericht Dresden gab der Klage des Mobbing-Opfers in vollem Umfang statt. Nach Auffassung der Richter habe der Arbeitgeber in zweifacher Hinsicht seine Fürsorgepflicht verletzt. Nicht nur dass Vorgesetzte an den ständigen Schikanen, Diskriminierungen und Anfeindungen beteiligt gewesen seien, das Land Sachsen hätte als Arbeitgeber auch aktiv gegen die Mobbinghandlungen einschreiten müssen, um seiner Verantwortung als Arbeitgeber gerecht zu werden. Aufgrund der ausgeprägten Form des Mobbings und der schweren psychologischen und materiellen Folgen für das Opfer seien vorliegend auch 32.000,- Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz angemessen.

 

ArbG Dresden, Beschluß vom 20.07.2002 - 5 Ca 5954/02