BR-Arbeit

Online-Besprechungen als Betriebsrat souverän moderieren

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Rolf Christiansen

Rolf Christiansen ist Kommunikationstrainer mit klassischer Gesangsausbildung. Er referiert seit 1998 für das ifb.

Sitzungen zu moderieren war immer schon ein schwieriges Geschäft. Sowohl in Betriebsratssitzungen als auch in normalen Arbeitsbesprechungen gilt es, alle am roten Faden zu halten, das Thema tiefgreifend zu erörtern und ruhig zu bleiben, wenn es schwierig wird. Und das jetzt online?!

Da rollen gerne mal ein paar Schweißperlen übers Gesicht.

Hier kommen die ganzen technischen Anforderungen hinzu: Auf Ton und Bild reagieren, den Chat einarbeiten, von jeder Person nur ein kleines Bild sehen – nur um Beispiele zu nennen. Alle 15 bis 20 Sekunden müssen Sie als Sitzungsleitung Entscheidungen treffen. Mal sind es Entscheidungen zur Gesprächsführung, mal zur Sache; und bei Videokonferenzen auch zum technischen Fortgang. Da rollen gerne mal ein paar Schweißperlen übers Gesicht. Was tun?

Kommunikationskanal klären

Videokonferenzen ermöglichen die Kommunikation über vier Kanäle: Bild, Ton, Chat und Softwarefunktion. Wenn die Moderatorin (m,w,d) nicht ganz früh Klarheit schafft, wie „normal“ kommuniziert wird, läuft alles gleichzeitig. Ordnung und Produktivität rauschen in den Keller. Bewährt hat sich, dass Wortmeldungen mit der Softwarefunktion „Hand heben“ angezeigt werden. So sieht die Moderatorin auf einen Blick, wie viele Meldungen vorliegen. Bei einigen Softwareanbietern wird sogar die Reihenfolge der Meldungen berücksichtigt. Das Handheben in die Kamera funktioniert nur gut, wenn es eine kleine Runde ist, wo man noch alle Personen gut im Blick halten kann.

Den Chat reservieren Profis für Beiträge zur Sache. So kann man z.B. eine Kartenabfrage in den Chat verlagern. Das bindet die Runde aktiv mit ein und man hat Klarheit über den Kommunikationskanal.

Eine alte Weisheit sagt: Weniger ist mehr.

Visualisieren, was die Sache voranbringt

Eine alte Weisheit sagt: Weniger ist mehr. Wie schon in der analogen Moderation beschränkt sich die Visualisierung auf Beiträge, die die Sache voranbringen. In der Online-Besprechung schreibt dann jemand mit und „teilt“ den Bildschirm, so dass alle den Fortschritt mitverfolgen können.

Für die engagierte Mitarbeit der Kollegen bleibt aber Blickkontakt und mimisches Reagieren aufeinander ein zentrales Element der menschlichen Zusammenarbeit. Gehen Sie als Sitzungsleiterin deshalb alle paar Minuten immer wieder in den „normalen“ Modus zurück, so dass sich alle Personen gut sehen können. Ein kleiner Seitenhieb an unsere Digital-Freunde: Fast alle Online-Whiteboards speichern die Ergebnisse als PNG (portable network graphic). Anschließend muss also jemand alles abtippen, um den Inhalt weiterverarbeiten zu können. Bis da was Digitales kommt, behelfen wir Moderatoren uns mit selbstgebastelten Pinnwänden aus Tabellen, dann bleibt auch der Inhalt verfügbar.

Arbeitsrhythmus und Pausen spüren

Online-Besprechungen sind hoch verdichtet: in der gemeinsamen Zeit wird zusammen gearbeitet, die Pausen verbringt jede/r für sich. Wenn Sie als Moderatorin merken, dass die Konzentration nachlässt, schweifen Sie ruhig mal miteinander ab. „Mal ein paar Minuten vor die Tür gehen?“ fragte eine Moderatorin neulich in der Besprechung und blendete dann einen sonnigen Hintergrund ein. Nach ein paar Minuten hat sie wieder den Konferenz-Hintergrund genommen. Ohne ein Wort zu sagen, war allen klar, dass es wieder weiter geht.

Profis probieren mehr als Laien

Wie kann man das alles gleichzeitig in der Praxis beherrschen? Ganz einfach: Durch Üben. Wer sichergehen will, dass in der Besprechung alles reibungslos klappt, muss letztlich jede Funktion mindestens einmal getestet haben. Wenn wir dann auf die ersten Routinen zurückgreifen können, wird das Online-Moderieren so selbstverständlich wie eine Sitzung in Präsenz.

Als Betriebsrat sollte man das Profi-Niveau anstreben. Denn aus der Arbeitswelt sind die Online-Sitzungen nicht mehr wegzudenken. Wenn man z.B. die Geschäftsleitung im Monatsgespräch von einer guten Home-Office-Regelung nach der Pandemie überzeugen will, wäre es mehr als hilfreich, auch selbst die Technik perfekt zu beherrschen.

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