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Fachartikel und Lexikon aus der Zeitschrift " der betriebsrat" zu dem Thema Unternehmenskrise

Zu den Risiken hoher Eigenkapitalrenditen

Während einige Banken um ihr Überleben kämpfen, spricht Dr. Josef Ackermann für die Deutsche Bank schon wieder von einer Eigenkapitalrendite in Höhe von 25 %. Peter Cremer beleuchtet, welche Risiken damit verbunden sind.

Jüngst versprach Dr. Josef Ackermann, der Vorstandschef der Deutschen Bank, seinen Aktionären eine Eigenkapitalrendite von 25 %. Im ersten Quartal 2009 soll dies sogar annähernd erreicht werden. Damit stellt sich für den Betrachter die folgende Frage: Sind die Banken wieder raus aus der Krise oder haben die Banker noch immer nicht begriffen, dass es zur Krisenbewältigung einer anderen Unternehmenspolitik bedarf?

Stichwort: Eigenkapitalrendite

Unter der Eigenkapitalrendite versteht man das Verhältnis vom operativen Ergebnis nach Steuern zum bilanziellen Eigenkapital (vgl. Schaubild). Das operative Ergebnis einer Bank ergibt sich aus den Salden von Zinserträgen und Aufwendungen, dem Saldo der Risikovorsorge, dem Saldo der Gebühren und Provisionen (= Handelsergebnis) zuzüglich dem Ergebnis aus dem Nichtbankenbereich abzüglich der Verwaltungsaufwendungen. Hiervon werden die Zinsen auf Nachrangkapital abgezogen, das Jahresergebnis in Fremdbesitz hinzugerechnet und wiederum die auf dieses Ergebnis entfallenden Steuern abgezogen. Auf diese Weise erhält man das operative Ergebnis nach Steuern. Das bilanzielle Eigenkapital einer Bank besteht aus dem gezeichneten Kapital, den Kapitalrücklagen, den Gewinnrücklagen, dem Konzerngewinn, den eigenen Aktien und der kumulierten Differenz aus der Währungsumrechnung.

Schnelle Erfolge oder hohes Risiko?

Wenn man berücksichtigt, dass Banken ein sehr geringes Eigenkapital haben, dann ist es nicht verwunderlich, dass die Eigenkapitalrendite umso schneller wächst, je mehr Geld das Unternehmen für seine Geschäfte bei fremden Banken aufnimmt. Damit wächst allerdings gleichzeitig das Risiko, dass die Verschuldung sowie die damit einhergehenden Kosten infolge des hohen Fremdkapitalanteils steigen. Wenn dann noch „faule Kredite“ und Ausleihungen hinzukommen, kann sich die Situation der Bank rasant verschlechtern. Bestes Beispiel hierfür ist die Hypo Real Estate. Grundsätzlich gilt nach der Theorie des so genannten Leverage-Effektes (Hebeleffektes des Fremdkapitals), dass durch die Aufnahme von zusätzlichem Fremdkapital die Möglichkeit besteht, durch gute Geschäfte den Wert des Eigenkapitals zu steigern. Unterbleibt dies jedoch, so erdrücken die Fremdkapitalzinsen das Unternehmen, obwohl die Eigenkapitalrendite zunächst gestiegen ist. Prof. Martin Weber kommentierte die Eigenkapitalrendite bei der Deutschen Bank am 27.04.2009 (www.sueddeutsche.de) wie folgt: „Bei der Deutschen Bank weiß man nicht, ob die hohe Rendite auf einem guten Geschäftsmodell beruht oder auf einem hohen Risiko.“

 

 
  Beispiel für die Berechnung der Eigenkapitalrendite    
 
 
  Operatives Ergebnis nach Steuern 868 Mio. €  
  bilanzielles Eigenkapital zum 31.12.2007 11.141 Mio. €  
  bilanzielles Eigenkapital zum 31.12.2008 12.523 Mio. €  
  Ø bilanzielles Eigenkapital 11.832 Mio. €  
  Eigenkapitalrendite 7,34 %  
 

 

Wenn die Rechnung nicht aufgeht

Viele Wirtschaftswissenschaftler halten eine Unternehmenspolitik, die auf eine extreme Steigerung der Eigenkapitalrendite ausgerichtet ist, für äußerst risikoreich. Das allerdings hält Dr. Ackermann nicht davon ab, an der von ihm ausgegebenen 25 %-Marke weiter festzuhalten. Sollte seine Rechnung aufgehen, dann werden sich die Aktionäre der Deutschen Bank freuen dürfen. Scheitert er hingegen, dann dürften die Mitarbeiter für die sprichwörtliche Zeche aufkommen müssen – und vielleicht zudem der Steuerzahler. Und dann wird wieder die bislang geltende Weisheit zu hören sein: „Gewinne werden privatisiert, Verluste hingegen sozialisiert“. Und was lernen wir daraus? Die Banken haben offensichtlich aus der Krise nichts gelernt, sondern machen weiter wie bisher.

Quelle

Peter Cremer

berät Betriebsräte zu wirtschaftlichen Themen

www.chronosagentur.de