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Fachartikel und Lexikon aus der Zeitschrift " der betriebsrat" zu dem Thema Unternehmenskrise

Unternehmenskrise - Frühsignale

Ein Unternehmen befindet sich auf dem Weg in die Insolvenz, wenn es überschuldet oder zahlungsunfähig geworden ist. In diesem Fall sprechen wir von einer manifesten Krise – und Rettungsversuche dürften eher von geringen Erfolgsaussichten geprägt sein. Deshalb sind für eine vorausschauende und zielgerichtete Arbeit von Betriebsräten Kenntnisse von den Frühsignalen einer Unternehmenskrise von besonderem Interesse.

Grundlagen

Die Unternehmenskrise (gemeint ist die so genannte latente Krise) ist gekennzeichnet durch eine falsche Richtung der Unternehmensentwicklung, aber nicht durch eine unmittelbare Insolvenzbedrohung des Unternehmens. Diese ist der Existenzgefährdung (also einer manifesten Krise) vorgelagert und bleibt der Unternehmensumwelt oftmals weit gehend verborgen. Sie ist auch häufig intern nicht hinreichend bekannt, da die Beteiligten eigenwillige psychologische Mechanismen entwickeln, um eine Krise nicht wahrzunehmen. Das Prinzip Hoffnung verdrängt die rational wahrnehmbaren Frühsignale.

Indikatoren zur Früherkennung von Unternehmenskrisen

Über eine valide Grundlage zur Identifizierung von Frühindikatoren der Krisenerkennung verfügt der Bankenbereich. Zur Einstufung von Unternehmensrisiken nutzen die Kreditinstitute vorwiegend drei Kriterien.

Kriterien zur Einstufung des Unternehmensrisikos

  • Verschlechterung des internen Ratings, 
  • Angespannte Liquiditätslage,
  • Zinsen und Tilgung werden nicht mehr geleistet.

Hieraus lassen sich die folgenden Krisenfrühsignale ableiten. 

Krisenfrühsignale aus Jahresabschlüssen und Monatsberichten

  • Eine starke Umsatzminderung ist zu verzeichnen. 
  • Unterjährige Statuszahlen werden nicht geliefert. 
  • Die Liquiditätslage ist angespannt.

 

Krisenfrühsignale aus Gesprächen und Betriebsbesichtigungen

  • Gespräche werden vermieden und Fragen werden ausweichend beantwortet. 
  • Es ist eine verminderte Kooperationsbereitschaft zu verzeichnen. 
  • Erkennbar bestehen mangelnde Managementqualitäten, insbesondere im kaufmännischen Bereich. 

 

Krisenfrühsignale aus Branchenbeobachtungen 

  • Das Unternehmen befindet sich in einer Krisenbranche. 
  • Branchenbezogene Preiskämpfe werden ausgetragen. 
  • Zunehmender Wettbewerbsdruck, Umsatzrückgänge und eine sinkende Zahlungsmoral herrscht innerhalb der gesamten Branche vor. 

 

Hinweise für die Betriebsratspraxis

In einer fortschreitender Krise werden die Handlungsmöglichkeiten des Betriebsrats vom aktiven Einbringen in die Problembewältigung bis hin zu einem reinen Reagieren eingeschränkt. Letztlich verbleiben die – leider in den meisten Fällen zu spät einsetzenden – Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan. Hierbei ist häufig der Abbau von Personal einziger Verhandlungspunkt. Unter Berücksichtigung eines eingeschränkten Liquiditätsspielraums des Unternehmens sind Alternativen oder der tatsächliche Ausgleich der wirtschaftlichen Nachteile für die Beschäftigten nur sehr eingeschränkt durchsetzbar. Daher ist es von erheblicher Bedeutung, dass der Betriebsrat die vorgelagerten Krisenursachen erkennt und entsprechend gegensteuert. Bislang wenig genutzt sind Vorschläge zur Beschäftigungssicherung (vgl. § 92a BetrVG). Um in diesem Zusammenhang qualifizierte Vorschläge zu erarbeiten ist es wertvoll, wenn bereits ein krisenunabhängiges Überwachungssystem existiert. Hierfür eignen sich einfache, auf die Belange der Betriebsratsarbeit angepasste Managementinformationssysteme (MIS). Die Basis der Informationen sollten unternehmensspezifische Kennzahlen und absolute Werte sein, welche die Indikatoren zur Erkennung von Unternehmenskrise zu einem frühestmöglichen Zeitpunkt abbilden. 

Hartmut Bader,

Wirtschaftsjurist in Hamburg