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Desinvestition

Die Desinvestition stellt das Gegenstück zur Investition dar und meint die Freisetzung der in Sachvermögen, immateriellem Vermögen oder Finanzvermögen gebundenen finanziellen Mittel.

Grundlagen

Als Gegenteil zur Investition bedeutet Desinvestition, dass Unternehmen Vermögensgegenstände aus dem Anlagevermögen verkaufen. Der Begriff bezieht sich zwar auf alle Bereiche des Anlagevermögens, wird jedoch hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Verkauf von Finanzanlagen, also Beteiligungen an anderen Unternehmen, verwendet.

Gründe für eine Desinvestition

Die Desinvestition erfolgt aufgrund verschiedener Strategien und Entscheidungen der Unternehmensleitung. Wenn man sich von einem bestimmten Geschäftsbereich oder einem Produkt trennt, kann die Unternehmensleitung entscheiden, dass bestimmte immaterielle Vermögensgegenstände (z.B. Patente, Lizenzen) oder Sachanlagen (z.B. Maschinen, Produktionsanlagen) nicht mehr benötigt werden. Gleiches gilt für den Bereich der Finanzanlagen mit seinen Beteiligungen an anderen Unternehmen sowie mit langfristig gehaltenen Wertpapieren. Besonders in Konzernen und großen Unternehmensgruppen kommt es in diesem Bereich regelmäßig zu Desinvestitionen, die teilweise auch in den Jahresabschlüssen veröffentlicht werden. Der Grund für eine Trennung ist beispielsweise die Konzentration auf das Kerngeschäft oder das attraktive Angebot eines Käufers. Aus der Sicht der Mitarbeiter am bedeutendsten ist eine Desinvestition, wenn sie aus Liquiditätsgründen geschieht. Fehlen dem Unternehmen die flüssigen Mittel, um seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, kann eine Problemlösung darin bestehen, Vermögensgegenstände oder Finanzanlagen zu verkaufen und dadurch einen Geldmittelzufluss zu generieren. In einem solchen Fall sollte der Betriebsrat bzw. Wirtschaftsausschuss genau untersuchen und hinterfragen, welche Vermögensteile veräußert werden und ob das Unternehmen sie zur Fortführung der Geschäfte benötigt.

Mögliche Folgen und Gefahren

Im Fall der Trennung von einem bestimmten Geschäftsbereich oder einem Produkt wirkt sich die Desinvestition auf die Geschäfts- und Produktionsprozesse im Unternehmen und damit auf die Beschäftigten aus. Möglicherweise fallen Arbeitsplätze weg oder verlagern sich in andere Teile des Unternehmens. Die Entscheidung eines Verkaufs liegt zwar beim Arbeitgeber, aber bei den Auswirkungen auf die Arbeitnehmer greifen die Beteiligungsrechte des Betriebsrats. Soll aus Liquiditätsgründen Anlagevermögen verkauft werden, dann sollte der Betriebsrat bzw. Wirtschaftsausschuss unverzüglich Gespräche mit dem Arbeitgeber aufnehmen. Denn eine zu geringe Liquiditätsdecke gefährdet das Unternehmen in seiner Existenz. Um eine Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens zu vermeiden, kann es angebracht sein, dass das Unternehmen zwar Anlagevermögen (z.B. Gebäude) verkauft, dieses jedoch zeitgleich mietet, so dass die Geschäftsprozesse ungestört weiterlaufen können. Dieser Vorgang wird als „sale and lease back“ bezeichnet. In allen Fällen entstehen Veränderungen in der Bilanz: Es sinkt das Anlagevermögen und es wächst durch Mittelzufluss der Kassenbestand. Diesen Vorgang nennt man „Aktivtausch“.

Reaktionen auf die aktuelle Wirtschaftskrise

Die Unternehmensberatung Ernst & Young hat Anfang 2009 eine Studie zu Desinvestionen veröffentlicht, aus der sich Aussagen über die Einschätzung der Wirtschaftskrise und die Reaktion der Unternehmen darauf ergeben. So gaben 61 % der Befragten aus dem Bereich Finanzdienstleistungen an, dass die Marktbedingungen sie wahrscheinlich dazu veranlassen werden, Desinvestitionen in Erwägung zu ziehen. 55 % gaben sogar an, dass sie mit größerer Wahrscheinlichkeit an den Verkauf von Finanzanlagen denken werden. Wer werden die Käufer solcher Finanzanlagen sein? 23 % der Befragten gehen davon aus, dass die wichtigsten Käufer in den kommenden zwei Jahren in den so genannten Schwellenländern (z.B. China, Indien) beheimatet sein werden.

Quelle

Swantje Luecke-Markus

ist Referentin für Wirtschaft in Castrop-Rauxel

www.luecke-markus.de