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Risikomanagement gab‘s schon im alten Rom

Die Ursprünge der modernen Risiko- und Wahrscheinlichkeitstheorie sind sehr eng mit dem seit Jahrtausenden bekannten Glückspiel verbunden. Bereits seit Menschengedenken haben Menschen Glücksspiele gespielt, ohne von den Systemen der Chancenverteilung zu wissen oder von der Theorie des modernen Risiko-Managements beeinflusst zu sein. Das Glücksspiel war und ist direkt mit dem Schicksal verknüpft. Es ist quasi der Inbegriff eines bewusst eingegangenen Risikos.

Glücksspiel ist so alt wie die Menschheit

Bereits seit Jahrtausenden erfreut sich der Mensch am Glücksspiel So kann man beispielsweise in dem dreitausend Jahre alten hinduistischen Werk Mahabharata lesen, dass ein fanatischer Würfelspieler sich selbst aufs Spiel setzte, nachdem er schon seinen gesamten Besitz verloren hatte. Parallel zur Entwicklung des Glücksspiels stehen auch die Versuche, gegen das Glücksspiel anzukämpfen. Im antiken Sparta beispielsweise wurde das Würfelspiel verboten. Und im Römischen Reich war der Einsatz von Geld bei Würfelspielen untersagt. Ludwig der IX. verbot 1254 sogar die Herstellung von Würfel. Und seit damals hat sich nicht viel geändert: Auch heute noch reglementiert der Staat das Glücksspiel und verdient damit gleichzeitig kräftig mit.

Schon immer waren die Menschen kreativ, wenn es um die Erfindung neuer Glücksspiele ging

Die ältesten uns bekannten Glücksspiele benutzten den so genannten Astragalus, den Vorfahren unseres heutigen sechsseitigen Würfels. Ein Astragalus war ein rechteckigere Knochen, der ursprünglich aus den harten Knöcheln von Schafen und Ziegen gefertigt wurde. Damit war ein Astragalus praktisch unzerstörbar. Das Würfelspiel mit Astragali erfreute bereits die Ägypter. Durch ihre kantige Form haben sie vier verschiedene mögliche Ruhepositionen, die Wahrscheinlichkeit für die Ereignisse ist unterschiedlich hoch.

Neben sechsseitigen Würfeln, waren in alter Zeit auch Würfel mit höheren Seitenzahlen bekannt. Unter anderem gibt es Funde von 12-,18-,19-, und 24-seitigen Würfeln. An den Materialien ist ein weites Spektrum von Ton, Metall, Elfenbein, Kristall, Knochen bis Glas belegt.

Der Leichtsinn kennt keine Grenzen

Nach Überlieferungen des römischen Senators und Historikers Publius Cornelius Tacitus (geb. um 55, gest. um 116) spielten die Germanen mit äußerstem Leichtsinn um Haus und Hof, zuletzt sogar um ihre eigene Freiheit. Würfelspiele waren vor allem in der römischen Zeit weit verbreitet, obwohl es immer wieder Spielverbote gegeben hat. Schuld daran waren offenbar auch die Spielbetrüger. Aus der Antike bekannt sind Würfelbecher und Würfeltürme, die verhindern sollten, dass einzelne Glücksritter ihre Mitspieler über den Tisch ziehen. In die Würfeltürme wurden die Würfel von oben geworfen und rollten durch das Innere des Turms über mehrere Stufen dem Ausgang entgegen.

Der Ausgang des Glücksspiels hängt primär vom Zufall ab und nicht vom Geschick oder den Fähigkeiten der Spieler. Die unterschiedlichen Glücksspiele unterscheiden sich unter anderem durch die Wahrscheinlichkeit des Gewinnens sowie im Verhältnis der Gewinnausschüttung zu den gezahlten Einsätzen. Im Allgemeinen sind die Spielregeln und Gewinnausschüttungen so ausgelegt, dass ein Glücksspieler auf lange Sicht, also bei häufigem Spiel, Geld verliert.

Noch im Mittelalter hat man dieses Phänomen als von Gott gegeben hingenommen. Naturreligiöse und mythische Opfer und Rituale gehörten in den Bereich der (magisch-subjektiven) Risikominimierung, bei der es primär darum ging, Unvorhergesehenes und Bedrohliches aus dem eigenen systematischen Denken auszugrenzen oder das zukünftige Risiko zu kontrollieren.

Vom Schicksal zur Risikosteuerung

Dem Ausgang des Spiels, das heißt dem Zufall, und der zukünftigen Ungewissheit des Lebens standen die Menschen der Antike vollkommen hilflos und schicksalsergeben gegenüber. Wenn etwa in der Antike die Griechen eine Vorhersage über mögliche Ereignisse von Morgen suchten, berieten sie sich nicht mit dem Risikomanager, sondern wandten sich an ihre Orakel. Das Bekannteste ist das Orakel von Delphi (6 und 5. Jahrhundert vor Christi Geburt).

Das Revolutionäre im Vergleich zur Wahrnehmung von Chancen und Gewinn sowie von Vergangenheit und Zukunft in der klassischen Antike und im Mittelalter ist die Vorstellung der Neuzeit von Zukunftssteuerung und aktiver Steuerung von Risiken und Chancen, also der Gedanke, dass die Zukunft nicht nur einer göttlichen Laune entspringt, sondern Menschen die Zukunft aktiv beeinflussen können. Ob die seit dem 17. Jahrhundert nach und nach entwickelte Theorie des Risiko-Managements und der Risikosteuerung tatsächlich die Spiel- und Wettleidenschaft des Menschen in wirtschaftliches Wachstum, verbesserte Lebensqualität und technologischen Fortschritt kanalisiert hat, sei dahingestellt. Unbestritten ist jedoch, dass Glücksspiel und die Entwicklung des modernen Risiko-Managements untrennbar miteinander verknüpft sind.

Und zum Schluss sei allen noch eine wichtige Regel für berufliches und privates Risiko-Management mit auf den Weg gegeben:

Bist Du im Zweifel, dann murmel. Bist Du in Schwierigkeiten, dann delegiere.

Quelle

Erfolgsfaktor Risiko-Management 2.0, 2. Auflage, von Frank Romeike und Peter Hager