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Amokläufe und Konflikt-Prävention

Bisher erreichen uns Nachrichten über Amokläufe hauptsächlich aus den USA. Die SZ berichtet über neue Studien, die sich mit den Faktoren solcher Taten beschäftigen. Interessant sowohl was die Auslöser als auch präventive Maßnahmen angeht - nicht nur für Schulen.

Psychologen der West Virginia University haben Fälle untersucht, in denen geplante Schulmassaker aufgedeckt und verhindert wurden.

Sie fanden Gemeinsamkeiten zwischen diesen Schulen, die in direktem Kontrast zu dem stehen, was über Schulen herausgefunden wurde, an denen sich ein Massaker ereignet hatte.

In einer FBI-Studie wird als eine Ursache für die Gewalttaten genannt, dass an den Schulen respektloses Verhalten und die Bedrohung anderer toleriert wurden. An Schulen, in denen ein Massaker verhindert werden konnte, fanden die Psychologen dagegen eine Atmosphäre, in der respektloses Verhalten jeder Art nicht geduldet wurde; es gab hier klare Regeln, deren Einhaltung auch durchgesetzt wurden.

An vielen Schulen, an denen ein Amoklauf stattfand, gab es eine ungerechte Bestrafungskultur; beliebte Schüler kamen mit Verhaltensweisen davon, für die andere bestraft wurden. An Schulen, bei denen ein geplantes Massaker aufgedeckt wurde, wurde niemand bevorzugt behandelt.

Drittens hatten die Schulen, die Schauplatz eines Amoklaufs wurden, eine Kultur der Erstarrtheit, sie hatten nicht mehr auf gesellschaftliche Veränderungen in ihrer Umgebung reagiert. Schulen, die einen Amoklauf verhindert haben, hatten sich dagegen ausdrücklich bemüht, noch mehr Teil ihrer Gemeinde und damit einer Gemeinschaft zu werden. Die Schulleitung sprach darüber, wie wichtig es ist, flexibel und offen für Veränderungen zu sein.

Und schließlich gab es an vielen Schulen das erwähnte Verschwiegenheitsgebot. An den Schulen, die die Forscher der West Virginia University besucht haben, berichtete die Schulleitung dagegen von Bemühungen, dieses Gebot zu brechen, indem die Schule Beziehungen mit allen Schülern aufbaute. Die Erwachsenen behandelten Schüler mit Würde und Respekt; sie nahmen ihr Mittagessen gemeinsam mit den Schülern ein, sie hörten den Schülern zu. Und sie bemühten sich, jeden Schüler zu unterstützen. Einer der Forscher führte ein Interview mit einer Polizistin, die an einer Schule stationiert war und die beispielhaft für dieses Verhalten war. Einmal hatte sie ein Mädchen zur Rechenschaft gezogen, das häufig in Auseinandersetzungen verwickelt war. Aus Frustration fragte sie schließlich: "Was willst du denn - jeden Tag in den Arm genommen werden?" Das Mädchen fing zu weinen an - und antwortete "ja". Da wurde der Polizistin klar, dass das Mädchen zu Hause keine positive Aufmerksamkeit bekam - und begann, nach dem Mädchen Ausschau zu halten und sie jeden Tag in den Arm zu nehmen.

Die Übertragung dieser Erkenntnisse auf die Arbeitswelt zeigt die Möglichkeiten von Prävention auf - nicht nur zur Vermeidung solch extremer Eskalationen.

Kultur eines respektvollen Umgangs miteinander
Gerechte und transparente Konsequenzen bei Verstößen gegen diese Kultur
Offenheit gegenüber Veränderungen
Aufbau und Förderung von persönlichen Kontakten, auch zwischen Management und „normalen" Mitarbeitern
Autor: SZ. Quelle: Süddeutsche Zeitung. Lizensiert durch Süddeutsche Zeitung Content