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Praxisfall: "Ungleichbehandlung durch Führungskraft"

Anfrage

Worum geht es bei dem Konflikt, was sind die Streitpunkte? 
Ungleichbehandlung der Mitarbeiter durch den Abteilungsleiter.

Wer ist beteiligt? 
Abteilungsleiter und Mitarbeiter.

Welche Rollen haben die Beteiligten? 
Führungskraft mit viel Macht zum Geschäftsführer und Mitarbeiter die ständig Ungleichbehandlungen erfahren müssen.

Wie ist Ihre eigene Position? 
Stellvertretende Betriebsratsvorsitzende.

Wie weit ist der Konflikt eskaliert? 
Mitarbeiter sind unzufrieden und trauen sich nicht zu wehren, denn sonst stehen sie auf der "roten Liste" vom Abteilungsleiter: Sie haben dann nur noch Probleme und werden noch mehr benachteiligt.

Was ist bisher geschehen? 
In der Gunst des Vorgesetzten stehende Mitarbeiter können mehr Überstunden machen, mehr Gleitzeittage bekommen, bekommen mehr Seminare genehmigt und können bei in der Nähe stattfindenden Seminaren vorher übernachten, was anderen nicht erlaubt wird. Sie bekommen bessere Leistungsbewertungen und haben dadurch auch einen Geldvorteil. Des Weiteren haben sie den Abteilungsleiter hinter sich wenn sie mal zu spät kommen, in der Mittagspause nicht ausstempeln oder sogar Besorgungen während der Arbeitzeit erledigen. Alle, die sich mit den begünstigen Mitarbeiter gut stellen haben dadurch Vorteile, z.B. bei der Urlaubsplanung.

Was wurde bereits unternommen, um den Konflikt zu lösen? 
Keiner traut sich etwas zu unternehmen, es wird nur alles unter vorgehaltener Hand gesprochen.

Weshalb wollen Sie das Ganze gerade jetzt klären? 
Die Unzufriedenheit wächst und die Leute werden immer mehr krank.

Was ist Ihr zentrales Ziel – was wollen Sie erreichen?
Es soll für den Abteilungsleiter klar sein, dass er nicht die Leute ungleich behandeln darf. Zuwiderhandeln sollte eine Konsequenz haben.

Was passiert, wenn Sie keine Lösung finden?
Krankheiten, Unzufriedenheiten und schlechtes Betriebsklima nehmen zu.

Feedback des Konfliktberaters

„Danke für Ihre Anfrage. Aus den genannten Informationen habe ich ein Bild von einer Führungskraft bekommen, die „treue“ Mitarbeiter mit besonderen Rechten und Vergünstigungen belohnt und bevorzugt behandelt. Gleichzeitig hat diese Führungskraft einen starken Rückhalt (hat der von Ihnen verwendete Begriff „viel Macht“ eine weitergehende Bedeutung?) in der Geschäftsleitung.

Mir scheint als erster Schritt das persönliche Gespräch mit dem Abteilungsleiter notwendig. Grundton des Gesprächs: 
Dem Betriebsrat sind verschiedene Hinweise und Umstände aufgefallen, die in seinen Aufgabenbereich fallen. Seine Aufgabe besteht u.a. darin, die Einhaltung von Gesetzen, Verordnungen und Betriebsvereinbarungen zu überwachen und die Zusammenarbeit im Unternehmen positiv zu beeinflussen. Der Betriebsrat will bestehende Probleme konstruktiv lösen, wenn möglich gemeinsam mit dem Abteilungsleiter. 
In seinem Bereich werden scheinbar (oder ist das belegbar?) Überstunden, Gleitzeittage nach dem Betriebsrat nicht nachvollziehbaren Kriterien von dem Abteilungsleiter genehmigt. Der Betriebsrat hat momentan den Eindruck (belegbar durch konkrete Vorfälle, Arbeitszeitnachweise, beantragte und (nicht) genehmigte Urlaubs-/Gleitzeitanträge?), das Mitarbeiter unterschiedlich und nicht durch sachbedingte Umstände nachvollziehbar ungleich behandelt werden. Wie sieht der Abteilungsleiter das? Welche Begründung gibt der Abteilungsleiter für sein Vorgehen?

Weitere Ansatzpunkte könnten sein:

  • Kriterien und Vorgaben von Leistungsbewertungen in Ihrem Unternehmen
  • Grundsätze und Betriebsvereinbarungen zur Arbeitszeit, Urlaubsplanung, Weiterbildung, die missachtet wurden oder (noch) nicht existieren; ggf. erstellen
  • Gespräche mit der Personalabteilung
  • Einschaltung höherer Führungsebenen
  • Thematisierung im Monatsgespräch Arbeitgeber-Betriebsrat
  • Betriebsverfassungsrechtliche Maßnahmen (als letztes Mittel)

 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung und Lösung Ihrer schwierigen Situation!“

Thomas Hubert