Facebook Pixel

Aufgaben, Rechte und Pflichten als Mitglied des Wirtschaftsausschusses

Der Wirtschaftsausschuss ist ein wichtiges Hilfsorgan des Betriebsrats und muss in Unternehmen mit über 100 Arbeitnehmern vom Betriebsrat gewählt werden. Er kann die Zukunft des Unternehmens mitgestalten und unterrichtet den BR in betriebswirtschaftlichen Angelegenheiten. Aber kann er die Zukunft auch voraussehen? Zumindest gehört das zu den Aufgaben des Wirtschaftsausschusses. Der Geschäftsbericht, der Jahresabschluss und ein Wirtschaftsprüferbericht liefern die Grundlagen für seine Prognosen. Der Wirtschaftsausschuss hat das Recht, Informationen vom Arbeitgeber einzufordern, die dem (Gesamt-)Betriebsrat nicht zustehen – er bringt also einen echten Mehrwert mit sich!

Dabei ist die wohl wichtigste Informationsquelle für jeden Wirtschaftsausschuss der Jahresabschluss. Aber nicht nur das: Auch die Sicherung der Arbeitsplätze ist ein Thema des WA. Denn: Die Jobs der Kollegen hängen unmittelbar von der wirtschaftlichen Lage Ihrer Firma ab. Deshalb kommt im Wirtschaftsausschuss alles, was die Unternehmens- und Personalplanung betrifft, auf die Tagesordnung.

Warum braucht der Betriebsrat über 100 Beschäftigen im Betrieb einen Wirtschaftsausschuss?

Es gibt keinen Informationsanspruch für den Betriebsrat auf Unternehmensebene!

Der Betriebsrat hat keinen Informationsanspruch in wirtschaftlichen Angelegenheiten: In Betrieben mit über 100 Beschäftigten muss der Arbeitgeber lediglich den Wirtschaftsausschuss, nicht aber den Betriebsrat auf dem Laufenden halten!

Die Aufgaben des Wirtschaftsausschusses:

Beschaffung wichtiger Informationen zur tatsächlichen Wirtschaftslage des Unternehmens.

Information und Beratung des BR in allen wirtschaftlichen Fragen.

Aufbau eines effektiven Frühwarnsystems für unternehmerische Krisen.

Aufzeigen der wahren Ursachen für wirtschaftliche Probleme und Einleitung von wirksamen Gegenmaßnahmen.

Entwicklung von Argumentationshilfen für den BR zur wirtschaftlichen Notwendigkeit geplanter unternehmerischer Maßnahmen.

Fachliche Diskussion über wirtschaftliche Fragen auf Augenhöhe mit der Unternehmensleitung.

Rettung bedrohter Arbeitsplätze durch rechtzeitige Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung.

Erarbeitung arbeitnehmerfreundlicher Alternativen bei Umstrukturierungen, Betriebsänderungen und Ausgliederungen.

Tipps für den erfolgreichen Wirtschaftsausschuss

Autor: ifb - Jessica Riccò
Neu gegründete Wirtschaftsausschüsse müssen Ihre Arbeit ganz neu organisieren, verteilen und planen. Wir zeigen Ihnen in sieben einfachen Schritten, worauf Sie dabei achten müssen.

 

 

Welche Informationen stehen dem Wirtschaftausschuss zu?

Die Informationsrechte des Wirtschaftsausschusses reichen weit – Sie müssen sie nur richtig anwenden. Denn das Unternehmen muss den Wirtschaftsausschuss umfassend und rechtzeitig über die wirtschaftlichen Angelegenheiten informieren und diese mit ihm beraten. Dazu gehören:

Die wirtschaftliche und finanzielle Lage: Gewinne, Verluste, wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens, Außenstände, Steuern, Auftragsbestand, Liquidität.

Produktions- und Absatzlage: Kapazitätsauslastung, Produktion, Lagerbestände.

Rationalisierungsvorhaben: Automatisierung, Mechanisierung, Straffung der Betriebsorganisation, Kostensenkung.

Investitionsprogramme: Planung und Finanzierung von Investitionen, Produktionsumstellungen.

Neue Fabrikations- und Arbeitsmethoden: Einführung von Schichtarbeit, Umstellung von Einzelarbeit auf Gruppenarbeit.

Maßnahmen zur Stilllegung oder Einschränkung des Betriebs.

Was muss der Wirtschaftausschuss unbedingt wissen?

Der Wirtschaftsausschuss muss unverständliche Bilanzen und Erfolgsrechnungen nicht klaglos akzeptieren. Im Gegenteil: Er hat das Recht, Zahlen und Strategie kritisch zu prüfen, um die Interessen der Belegschaft und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern.

Eigene Unternehmenszahlen auswerten

Vergangenheitsdaten analysieren (Jahresabschluss, Bilanz, GuV, Controllingberichte …), um daraus Rückschlüsse auf die Entwicklung des Unternehmens abzuleiten.

Strategie des Unternehmens kennen: Gibt es neue Märkte? Was macht der Wettbewerb? Werden neue Produkte entwickelt? Wie wirkt sich die Strategie auf die Arbeitsplätze aus? Sind die geplanten Maßnahmen schlüssig und sozialverträglich?

Gesamtwirtschaftliche Auswirkungen auf das Unternehmen einschätzen: Gibt es Anzeichen für wirtschaftliche Probleme und Krisen? Was kann man tun, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken? Wie liegen zukünftige Chancen und Risiken?

Was „darf“ den Wirtschaftsausschuss interessieren?

Den Wirtschaftsausschuss interessieren alle Themen, die die Arbeitsplätze im Betrieb und deren Erhalt betreffen. Beispielsweise:

Daten, Zahlen und Fakten zur wirtschaftlichen und finanziellen Unternehmenslage

Umstrukturierungsmaßnahmen: Beispielsweise bei der Verlegung eines Werks, der Schließung von Produktionsstätten oder auch Änderungen in der Betriebsorganisation

Personalplanung, Arbeitsplatzsicherung, Unternehmensplanung, Management-Strategien und Zukunftsperspektiven

Der Wirtschaftsausschuss ist die Schnittstelle zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung

Ein gut funktionierender Wirtschaftsausschuss bildet die Schnittstelle zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung. Er versorgt den Betriebsrat mit wichtigen Informationen zur Unternehmenslage und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Mitbestimmung im Betrieb.

Welche Möglichkeiten hat der Wirtschaftsausschuss?

Der Wirtschaftsausschuss ist der erste Ansprechpartner der Geschäftsleitung, wenn es um betriebswirtschaftliche Fragen und größere Entscheidungen im Management geht. Damit das Gremium kompetent mit der Geschäftsleitung diskutieren kann, hat es ganz besondere Rechte und Möglichkeiten. Das große Plus für den Wirtschaftsausschuss: Die Unternehmensführung ist vom Gesetzgeber dazu verpflichtet, den Wirtschaftsausschuss über wirtschaftliche Angelegenheiten auf dem Laufenden zu halten.

Dürfen Sie als Wirtschaftsausschuss Seminare und Schulungen besuchen?

Lesen Sie mehr zum Schulungsanspruch für Betriebsräte im Wirtschaftsausschuss und für nicht Betriebsräte im Wirtschaftsausschuss

Zum WA-Schulungsanspruch